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EBF suspendiert Baptisten aus Georgien für ein Jahr

Tony Peck: Traurige Situation – Der Bund ist in drei Teile gespalten

Glasgow/Tiflis

Die Europäische Baptistische Föderation (EBF) hat die Mitgliedschaft der Evangelischen Baptistischen Kirche von Georgien für ein Jahr ausgesetzt. Man habe diesen Beschluss „mit Widerwillen“ gefasst, teilte die EBF mit. Im Hintergrund steht ein langjähriger Konflikt in Georgien über den Kurs der Baptisten. Eine EBF-Delegation habe das Land besucht. Aber es sei ihr nicht möglich gewesen, die Leiter aller Konfliktparteien zu treffen.

 

Wie es in einer Erklärung heißt, ist es das Ziel der Aussetzung der Mitgliedschaft, dass die EBF-Vertreter die Chance nutzten, mit den Leitern aller Baptistengruppen in Georgien zu reden und auf eine friedliche Versöhnung unter den Baptisten in dem Land hinzuwirken.

 

EBF-Generalsekretär Tony Peck (Bristol) bezeichnete die Entscheidung als „sehr traurig“ und „ungewöhnlich“. Über Jahre hinweg habe sich der Bund in Georgien in drei Lager gespalten. Peck rief zum Gebet für den Bund auf, „dass eine friedliche Lösung gefunden wird, die das fortgesetzte Zeugnis der Versöhnung und der Einheit unserer Baptistenkirchen in Georgien ermöglicht.“

 

Der Baptistenpastor i. R. Elimar Brandt (Berlin), der seit vielen Jahre gute Kontakte nach Georgien unterhält, erläuterte gegenüber der GEMEINDE die Hintergründe. Eine erste Spaltung im Baptistenbund habe sich bereits vor einigen Jahren ereignet, als einige Baptisten den neuen Kurs nicht mitgehen wollten. Damals entschied die Mehrheit um den heutigen Erzbischof Malkhaz Songoulashvili, sich äußerlich an die Tradition der Orthodoxie im Land anzupassen, um Berührungsängste in der Bevölkerung gegenüber Baptisten abzubauen. Seitdem tragen die baptistischen Geistlichen Roben und die Männer lange Bärte. Inzwischen habe es eine weitere Spaltung gegeben. Dabei gehe um die Haltung zur Homosexualität. Einige sehen darin eine Schöpfungsvariante Gottes, andere eine Sünde. Beide Seiten ständen sich unversöhnlich gegenüber.

 

Zum Baptistenbund von Georgien gehören 38 Gemeinden mit knapp 1.000 Mitgliedern. Zwischen den Baptisten in Georgien und Deutschland gibt es besonders enge Beziehungen.

Die erste baptistische Gemeinde in Georgien wurde von einem deutschstämmigen Missionar aus Litauen Martin Kalweit (1833-1918) 1867 gegründet.

 

Klaus Rösler
(08.11.2019)