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20 Jahre Neustart der Baptistengemeinde in Mestellen

Baptistenpastor i. R. Herbert Jaksteit erinnert sich: Spendenaktion für den Wiederaufbau

Mestellen/Köln

Vor 20 Jahren wurde die zweckentfremdete Baptisten-Kapelle in Mestellen (heute : Zemaitkiemis) in Litauen wieder aufgebaut und eingeweiht. Daran erinnert der Baptistenpastor i. R. Herbert Jaksteit in einem Bericht in der Zeitschrift „Memeler Dampfboot“, der Heimatzeitung der Memeler. Heute heißt die Stadt Memel an der Ostsee Klaipeda.

 

Die Kapelle in Mestellen war 1903 errichtet worden. Doch bereits im Nationalsozialismus und während der kommunistischen Besatzung Litauens durften in Mestellen keine Gottesdienste mehr  gefeiert werden. Die Folge: Die Fenster wurden zugemauert, das Dach war kaputt. Anstelle der Eingangstür war ein Scheunentor eingesetzt, um mit dem Traktor hineinfahren zu können. Genutzt wurde das Haus als Getreidespeicher, Kino und Tanzsaal.

 

Jaksteit stammt aus Mestellen. Als er in den 1990er Jahren den Ort besuchte, trugen Anwohner – vor allem Katholiken –  an ihn den Wunsch heran, das frühere Gotteshaus wiederherzurichten. Er willigte nach Rücksprache mit den Baptisten in Klaipeda zu, sich darum zu kümmern. Allerdings gestaltete sich das Unterfangen schwieriger als erwartet. So musste etwa zunächst vor Gericht geklärt werden, ob das baufällig Gebäude tatsächlich jemals ein baptistische Kapelle war. Es gab aber zahlreiche Zeugen, die das bestätigten. Jaksteit sammelte Spenden. Tatsächlich konnte das Haus innerhalb eines Jahres schuldenfrei restauriert werden. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde es 1999 als Gotteshaus wieder eingeweiht. Seitdem finden dort Gottesdienste, Trauungen, Konzerte und Taufen statt. Zum 20. Jubiläum des Wiederaufbaus schenkten Freunde aus Deutschland der Gemeinde ein Keyboard. Zugleich wurde am 6. Oktober erstmals ein Abendmahl gefeiert, an dem nach Jaksteits Worten Menschen aus verschieden Kirchen teilnahmen.

 

Bereits 1841 wurde in Memel die erste Baptisten-Gemeinde gegründet. Zehn Jahre später baute die Gemeinde ein großes Gotteshaus für 1.000 Personen. Die Kommunisten nutzten nach dem Zweiten Weltkrieg die Kapelle in Memel zur Lehrerausbildung. Anfang der 90er Jahre mussten sie das Gebäude – unter großem Widerstand – wieder zurückgeben. Außer in Memel und Mestellen gibt es noch eine Gemeinde in Heydekrug.

Klaus Rösler
(08.11.2019)