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Ökumenische Hilfsaktion nach Abschiebung nach Italien

Junger Libyer wurde beim Besuch im Ausländeramt in Berlin verhaftet und abgeschoben

Berlin

Ein muslimischer Flüchtling aus Libyen, Faouzi A., mit Kontakten zu den Baptisten in Berlin wurde bei einem Besuch der Ausländerbehörde verhaftet und drei Stunden später nach Italien abgeschoben. Das berichtete der Pastor der der Evangelisch-Freikirchlichen Kreuzkirche in Berlin-Charlottenburg, Hendrik Kissel, der GEMEINDE. Faouzi verbrachte Ende 2018 ein halbes Jahr lang im Kirchenasyl der Gemeinde. Anschließend lebte er in einer Wohnung der Gemeinde. Nach den Worten Kissels machten es die länderübergreifenden Kontakte der Christen in Berlin aber möglich, dass ihm in Italien geholfen werden konnte.

 

So habe ein katholischer Krankenhausseelsorger in Berlin dafür gesorgt, dass der katholische Priester der Flughafenkapelle in Mailand es ermöglichte, dass der 29-jährige Libyer ausnahmsweise die erste Nacht innerhalb des Flughafengebäudes verbringen konnte. Am nächsten Morgen habe ihn dann die baptistischen Pastorin Cristina Arcidiacono in Empfang genommen und ihn mit dem Baptistenpastor Massimo Aprile in Mailand bekannt gemacht. In dessen Gemeinde sei er sofort sehr herzlich aufgenommen worden.

 

Nach den Worten von Kissel hatte der junge Libyer große Angst vor Italien. Auf seiner Flucht habe er dort wenig schöne Erfahrungen gemacht. Durch das Kirchenasyl und die weitere Betreuung in der Friedenskirche habe er aber Vertrauen zu den Baptisten aufgebaut – auch zu den ihm unbekannten Baptisten in Italien. Wie Kissel sagte, findet der erste Anhörungstermin bereits am 14. November in Turin statt. Man hoffe, dass Faouzi anschließend Asyl bekomme und legal in Italien bleiben dürfe.

 

Für den Abgeschobenen habe sich auch der Rabbi der Jüdischen Synagogengemeinde, Akiva Weingarten, eingesetzt. Seine Gemeinde ist in der Friedenskirche zur Untermiete. Er habe die Unterstützung der Synagoge angeboten. Als er aber von der herzlichen Aufnahme durch die Baptisten in Mailand hörte, versprach er, die Gemeinde dort durch eine Spende zu unterstützen: „Sie haben eure Last zu ihrer eigenen gemacht!“ Freunde der Gemeinde und Christen aus anderen Gemeinden in der Umgebung hätten sich an diesem „Gruß“ beteiligt.

 

Für Faouzi habe sich auch ein früherer Bundesfreiwilliger in der Friedenskirche eingesetzt, der derzeit ein Auslandssemester in seinem Studium Sozialarbeit in Costa Rica absolviert. Der junge Mann mit italienischen Wurzeln versuchte, eine weitere Hilfskette in Gang zu setzen. Zunächst informierte er seinen in Süddeutschland lebenden Vater, der wiederum eine Freundin in Mailand anrief, eine Pastorin der Waldenser. Sie konnte ihn allerdings beruhigen. Wenn Faouzi von den ihr bekannten Baptisten betreut werde, sei alles in Ordnung, meinte sie. Die Friedenskirche hat rund 100 Mitglieder.

Klaus Rösler
(08.11.2019)