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Nicht auf dem Sofa sitzenbleiben: Glauben heißt Sport

1.900 Besucher bei der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz

Bad Blankenburg

Die 124. Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz vom 31. Juli bis 4. August im thüringischen Bad Blankenburg zählte über 1.900 Besucher– rund 200 mehr als jeweils in den beiden Vorjahren. Das gab die Allianz am Abschlusstag bekannt. Das Treffen stand unter dem Motto „Hoch und heilig“. Einige Baptisten und Vertreter von Freikirchen wirkten an dem Treffen mit 48 Seminaren mit. Im Mittelpunkt der Bibelarbeiten stand der Hebräerbrief.

 

Der Theologieprofessor Hans-Joachim Eckstein (Tübingen) sagte im Gottesdienst in seiner Predigt über Hebräer 12,1-11: „Glauben bedeutet nicht, auf dem Sofa zu sitzen.“ Der Hebräerbrief male das Bild eines Sportstadions vor Augen („Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens…“) Dazu Eckstein: „Glauben heißt nicht ausruhen, sondern heißt laufen. Glauben heißt Sport.“ Wer sportlich etwas erreichen wolle, könne auch keinen unnötigen Ballast mit sich herumtragen.

 

In dem Gottesdienst führten der Allianzvorsitzende, der Präses des freikirchlichen Mülheimer Verbandes, Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr), und der Allianzgeneralsekretär Reinhardt Schink (München) die neue Leiterin des Evangelischen Allianzhauses in Bad Blankenburg, die Baptistin Gabriele Fischer (52), offiziell mit einem Segensgebet in ihre Aufgabe ein. Die vierfache Mutter hat ihr Amt bereits im März angetreten. Schink bezeichnete die Konferenz als einen kleinen Vorgeschmack „auf den Reichtum, die Vielfalt und die Schönheit des Glaubens, wie ihn Jesus seiner Gemeinde schenkt“.

 

Der Politikbeauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz, der baptistische Gemeindereferent Uwe Heimowski (Berlin/Gera), ermutigte zu mehr Engagement für das Gemeinwesen. Er betonte, dass es im Zeitalter von „Fake News“ wichtiger denn je sei, wirklich nach der Wahrheit zu fragen. „Wir müssen kritisch mit Informationen, insbesondere über soziale Netzwerke, umgehen und so oft wie möglich das direkte Gespräch mit Verantwortungsträgern suchen.“ In politischen Debatten sei es daher unerlässlich, sich die Argumente des Gegenübers anzuhören, um zu einem umfassenden Bild und einer differenzierten Meinung zu einem Thema zu gelangen. Christen sollen sich seiner Meinung nach in den gesellschaftsrelevanten Debatten zu Wort melden, sich dazu Expertenwissen aneignen und politische Verantwortung übernehmen, wo es ihrer Berufung entspreche: „Ob als Elternsprecher oder Parteimitglied - unsere Gesellschaft hat einen echten Mangel an Menschen, die Verantwortung übernehmen.“

 

Der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG), Ansgar Hörsting (Witten), sagte, dass Evangelikale nicht für eine „Jenseits-Vertröstung“ stehen. Der Vorwurf, dass sie den Menschen ausschließlich sagten, später werde alles gut „und was heute ist, ist egal“, stimme nicht. Evangelikale hielten das auseinander: „Wir freuen uns auf das Jenseits, aber das Diesseits prägen wir mit.“ Evangelikale täten dies als „Bürger unseres Landes, als Menschen, die letztendlich ihr Bürgerrecht bei Jesus Christus haben“. Ferner rief er dazu auf, den christlichen Glauben im Alltag zu trainieren und auch in schwierigen Situationen auf Gott zu vertrauen.

 

Der Professor für Missiologie an der Theologischen Hochschule Ewersbach des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Johannes Reimer (Bergneustadt), rief die Christen dazu auf, häufiger über Jesus zu reden. Es sei zum Weinen, dass sich in Deutschland nur noch etwas 50 Prozent der Bürger zum Christentum zählten. Gleichzeitig seien viele Menschen offen für spirituelle Werte. Reimer ermutigte, statt über geistliche Erfahrungen vor allem über Jesus selbst zu reden. Jesus sei kein Vertreter einer übernatürlichen Welt: „Er ist Gott selbst und hat die Welt mit Gott versöhnt. Durch ihn haben wir Zugang zu Gott.“

 

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Fraktionsvorsitzende Volker Kauder bemängelte in Bad Blankenburg die Schlaffheit, mit der viele Christen in Deutschland ihren Glauben lebten. Er verwies auf die Christen im Ausland, die unter Bedrängung ihren Glauben lebten. „Wenn verfolgte Christen sonntags den Gottesdienst besuchen, könnte es das letzte Mal sein. Sie tun es trotzdem“, sagte Kauder. Zugleich würdigte er das „beharrliche Wirken“ der Deutschen Evangelischen Allianz im Einsatz für verfolgte Christen weltweit und das Eintreten für Religionsfreiheit. Der CDU-Politiker forderte in Bad Blankenburg von der Bundesregierung, einen generellen Abschiebe-Stopp für konvertierte Christen in den Iran durchzusetzen. „Es ist ein untragbarer Zustand, dass iranische Flüchtlinge, die hier zum Glauben gefunden haben, in einen Staat abgeschoben werden, in dem es keine Religionsfreiheit gibt“, sagte Kauder.

 

Der frühere Generalsekretär der Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), leitete die Konferenz in diesem Jahr zum letzten Mal. Die Deutsche Evangelische Allianz hat an rund 1.000 Orten Allianzkreise. Sie veranstaltet unter anderem jährlich die Allianzgebetswoche im Januar. Die Allianzkonferenz fand erstmals 1886 statt. Die Evangelische Allianz wurde 1846 in London gegründet. Die erste Bad Blankenburger Allianzkonferenz fand 1886 statt.

Klaus Rösler
(09.08.2019)