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„Wir haben schon manchmal Angst“

Missionskrankenhausgründer John auf Vortragstournee durch Deutschland

Lima

Das Missionskrankenhaus Diospi Suyana (Quechua für: „Wir vertrauen auf Gott“) im Süden Perus ist zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt. Das erklärte dessen Leiter und Gründer, Klaus-Dieter John (Curahuasi), der Zeitschrift DIE GEMEINDE am Rande eine Vortragsreise, die ihn im März durch ganz Deutschland geführt hat. Auch in einigen Baptistengemeinden war er zu Gast. John hatte die Klinik zusammen mit seiner Ehefrau, der Ärztin Martina, 2007 in Betrieb genommen. Zuvor gab es für die in der Region lebenden etwa 750.000 Menschen – überwiegend Quechua-Indianer – kaum eine medizinische Versorgung. Die beiden Ärzte hatten die Klinik allein aus Spendenmitteln finanziert. Sie war ursprünglich mit 55 Betten, vier Operationssälen, Intensivstation, Labor und Röntgeneinrichtung ausgestattet. Zum zehnjährigen Bestehen wurde das Gebäude aufgestockt, und 45 Betten sowie ein weiterer Operationssaal kamen hinzu. Heute sind 200 Peruaner und 64 Ausländer als Missionare auf dem Gelände beschäftigt. 2010 wurden eine Zahn- und eine Augenklinik eröffnet, 2012 ein Kinderhaus und 2014 eine Schule. 2016 weihte das Werk ein Medienzentrum mit zwei Radio- und einem TV-Studio ein. „Wir sind ein reines Glaubenswerk“, so John. Alles, was in Curahuasi entstanden sei, trage die Handschrift Gottes und sei das Ergebnis unzähliger Gebete. Die Geschichte der Klinik sei für Christen aus allen Konfessionen ein Mutmacher im Glauben. 

Wie die Anfeindungen konkret aussehen, schilderte er an einem Beispiel. Abtreibungen sind in dem Land verboten, kommen aber dennoch vor. Eine Frau hatte sich in der Apotheke von Curahuasi ein Abtreibungsmedikament besorgt, das von den Betreibern zu einem stark überhöhten Preis illegal verkauft worden war. Nach der Einnahme kam es zu Komplikationen, so dass die Frau in die Klinik ging. „Sie hatte starke Blutungen. Wir konnten sie gerade noch retten“, so John. Er habe Anzeige gegen die Apotheke bei der örtlichen Staatsanwältin erstatten wollen. Doch die habe sich geweigert, die Anzeige aufzunehmen, weil die Familie der Staatsanwältin mit der der Inhaber der Apotheke befreundet sei. Er habe daraufhin im Justizministerium in Lima angerufen und den Fall geschildert. Von dort sei angeordnet worden, dass die Staatsanwältin die Anzeige aufnehmen müsse. Doch das habe gravierende negative Folgen für die Klinik gehabt. John: „Die Frau versucht uns zu schaden, wo sie nur kann.“ Als etwa die Opfer eines Verkehrsunfalls in der Klinik behandelt wurden und ein Patient gestorben sei, habe sie versucht, der Klinik schuldhaftes Verhalten nachzuweisen. Zehn Mitarbeiter der Klinik seien stundenlang verhört worden. Ein Fehlverhalten sei zwar nicht nachzuweisen gewesen, aber die Untersuchung habe dem Krankenhausbetrieb gestört: „Wir haben schon manchmal Angst, was noch alles passiert.“ Auch sei Diospi Suyana mit seinem nicht am Gewinn orientierten Anspruch für manche Privatklinik ein Dorn im Auge. Das überaus positive Medienecho, das Diospi Suyana in den TV-Sendern genieße, führe gelegentlich zu Neid und Ärger bei anderen Krankenhäusern. Eine Klinik in der fünf Stunden entfernten Stadt Andahuaylas verwende unerlaubt das Logo von Diospi Suyana, um Patienten anzuziehen.

Es gebe aber auch positive Erlebnisse. So erreiche die Medienarbeit immer mehr Zuhörer. Zwei Tage nachdem ein neuer Sendemast im Regenwald Perus aufgestellt worden sei, wodurch 300.000 neue Zuhörer gewonnen werden konnten, habe die Klinik einen Anruf erhalten. Ein Mann habe sich gemeldet, der sich eigentlich erschießen wollte, nachdem seine Frau ihn verlassen hatte. Er habe die Sendungen der christlichen Klinik gehört und sei zum Weiterleben ermutigt worden.

John zufolge wurden seit der Gründung der Klinik bisher 340.000 Patienten behandelt. Derzeit seien es monatlich rund 4.000. Etwa 100.000 Privatpersonen und 230 Firmen haben Diospi Suyana mit Spenden von über 27 Millionen Euro (30,6 Mio USD) unterstützt. In den Diospi-Suyana-Kinderclubs versammeln sich wöchentlich bis zu 400 Jungen und Mädchen, denen durch ein Pfadfinderprogramm christliche Werte vermittelt werden. Die moderne Diospi-Suyana-Schule habe mittlerweile die gleiche Anzahl von Schülern. Diospi Suyana ist als gemeinnütziges Werk in Peru, Deutschland und den USA anerkannt. Es trägt das Spendensiegel der Deutschen Evangelischen Allianz. Der deutsche Trägerverein Diospi Suyana besteht seit 2002. Vorsitzender ist der Ingenieur Olaf Böttger (Ober-Ramstadt bei Darmstadt).

Klaus Rösler
(04.04.2019)