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Den Glauben aus der Privatsphäre herausholen

Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen

Wustermark

„Die Zukunft der Kirche hängt entscheidend von unserer Bereitschaft und Fähigkeit ab, den Glauben weiterzugeben.“ Mit dieser Aussage hat der Theologe, Autor und Bibelübersetzer Prof. Roland Werner (Marburg) in der Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) dafür geworben, in den Kirchen ganz neu eine „Theologie und Praxis der Evangelisation“ umzusetzen. Bei der Tagung im brandenburgischen Wustermark-Elstal befassten sich die 29 Delegierten und Teilnehmer zudem mit dem Lebensschutz und mit Asylverfahren von Konvertiten.

 

Werner zufolge sind Christen „in der Öffentlichkeit und im Alltag nicht sichtbar“. Um das zu ändern, müssten sie mit ihrem Glauben aus der Privatsphäre heraustreten. Dabei dürfe das Reden über den Glauben nicht gegen soziale Aktivitäten ausgespielt werden: „Wenn wir sie gegeneinander ausspielen, lähmen und schwächen wir uns selbst.“ Werner rief dazu aus, den Glauben vor allem an die jüngere Generation weiterzugeben: „Sonst stirbt der Glaube aus.“ Kirchen hätten die Aufgabe, das Anliegen der Evangelisation auf allen Ebenen zu verankern und evangelistisch begabte Frauen und Männer zu fördern. VEF-Präsident Christoph Stiba (Elstal) versprach, als VEF künftig enger mit der von Roland Werner geleiteten „Koalition für Evangelisation“ (früher: Lausanner Komitee für Weltevangelisation) zusammenzuarbeiten.

 

Dr. Detlev Katzwinkel und Dr. Heike Fischer vom Vorstand der Lebensrechtsbewegung ProVita stellten ihre Arbeit vor: „Das Leben und die einzigartige Würde des Menschen als unantastbare Gabe Gottes sind von Anfang an und bis zu dessen Ende zu schützen und zu respektieren.“

 

Der VEF-Kirchenasylbeauftragte, Rechtsanwalt Andreas Hantschel (Frankfurt), wies darauf hin, dass Asylanträge christlicher Konvertiten oft dann abgelehnt werden, wenn es den Bewerbern in den Verfahren nicht gelinge, über die persönliche Dimension ihres Glaubens Auskunft zu geben. Um dies darzulegen, reiche es nicht aus, dass der Bewerber sichtbare Aktivitäten aufzähle, etwa die Teilnahme am Gottesdienst oder die Mitarbeit im Kirchencafé. Vielmehr sei es unerlässlich, vom inneren Glaubensprozess zu berichten und die Entscheider so ins eigene Herz blicken zu lassen. „Wo Glaubensgeschwister dies tun und die Tiefe ihres persönlichen Glaubens nachvollziehbar beschreiben, stehen die Chancen für ihr Asylverfahren gut.“

 

Dr. Oliver Pilnei, der Leiter der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal, und Pastor Jürgen Stolze (Eisenach) von der Evangelisch-methodistischen Kirche stellten den Delegierten den Theologischen Grund- und Aufbaukurs der VEF vor. Seit über 40 Jahren biete der Kurs eine theologische Fortbildung. Allein in den letzten zehn Jahren habe es über 400 Absolventen gegeben. VEF-Präsident Christoph Stiba würdigte den Kurs als „fundierte theologische Grundlegung für Laienprediger und alle an Theologie Interessierten.“  Die in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen zusammengeschlossenen zwölf Gemeindebünde und drei Gastmitglieder haben rund 275.000 Mitglieder.

Klaus Rösler
(06.12.2018)