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„Wir weigern uns, Feinde zu sein“

Methodistischer Friedenspreis an Familie in Palästina verliehen

Bethlehem

Der palästinensische Christ Daoud Nassar (Bethlehem) ist mit dem Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen ausgezeichnet worden. Nassar betreibt auf seinem Bauernhof acht Kilometer südwestlich von Bethlehem im Westjordanland das Friedensprojekt „Zelt der Nationen“. Dort finden internationale Arbeitseinsätze für Freiwillige, Kindercamps und Frauenprojekte statt. Unter dem Motto „Menschen bauen Brücken“ setzt sich die Familie aktiv für eine Versöhnung zwischen Juden, Christen und Muslimen ein. Ihr gehört das Land seit 1916. Dennoch wurde es 1991 vom Staat Israel beschlagnahmt. Seitdem kämpft die Familie juristisch gegen diese Entscheidung. „Wir weigern uns, Feinde zu sein“ steht auf einem Stein am Eingang des Geländes ganz in der Nähe von inzwischen errichteten jüdischen Siedlungen. Da es der Familie verboten ist, auf ihrem Gelände Brunnen zu bohren, sammelt sie Regenwasser, um ihre Felder zu bewässern.

 

Die Preisverleihung fand im Rahmen einer Konferenz des Weltrats Methodistischer Kirchen zum Thema „Wasser und Frieden“ statt, die Jordanien, dem Westjordanland und Israel stattfand. Aus Deutschland nahmen der Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche, Harald Rückert, sowie seine Amtsvorgängerin Rosemarie Wenner (beide Frankfurt am Main) daran teil. Sie hält im Ruhestand die Kontakte der Freikirche zum in Genf ansässigen Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) sowie anderen kirchlichen Weltbünden. Wie sie in einem Bericht schreibt, der auf der EmK-Internetseite veröffentlicht wurde, gib es „im Westjordanland massive Eingriffe in die Wasserversorgung durch den Ausbau der jüdischen Siedlungen“. Von deshalb erfolgten Umsiedlungen seien Bauern und Beduinen bedroht. Der Generalsekretär des Weltrats Methodistischer Kirchen, Bischof Ivan Abrahams, und die stellvertretende Ratsvorsitzende, Gillian Kingston, überreichten in einer Feierstunde unter freiem Himmel den Friedenspreis an die Familie Nassar.

 

Der Weltrat Methodistischer Kirchen ist der Dachverband von über 70 Kirchen mit 51 Millionen Mitglieder. Darunter ist auch die Evangelisch-methodistische Kirche mit über 12,5 Millionen Kirchengliedern weltweit. Der Friedenspreis des Weltrats wurde 1977 erstmals verliehen. Er wird jährlich einer oder mehreren Personen oder Organisationen zugesprochen, die in ihrem Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung in der ganzen Welt Mut, Kreativität und Standhaftigkeit bewiesen haben. Der Preis besteht aus einer vergoldeten Silbermedaille und ist mit 1.000 US-Dollar dotiert. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderen der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter und der ehemalige Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow.

 

Klaus Rösler
(01.11.2018)