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Diakoniewerk Bethel wird Gesundheitswerk

Aus Diakonischem Werk und Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden ausgetreten

Berlin

– Das wegen seines Finanzgebarens umstrittene freikirchliche Diakoniewerk Bethel (Berlin) ist aus dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ausgetreten und verlässt auch den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Das teilte das Werk in einer Presseinformation mit, die am 5. September in Berlin veröffentlich wurde. Zugleich hätten Vorstand und Aufsichtsrat eine Namensänderung beschlossen. Das Werk nennt sich nun „Gesundheitswerk Bethel Berlin“. Es wies es darauf hin, in seinen 25 Einrichtungen in ganz Deutschland weiter „im diakonischen Geist“ tätig sein zu wollen: „Das christliche Selbstverständnis des Werks bleibt unverändert.“ Die Bethel-Einrichtungen – Kliniken, Seniorenzentren und Pflegedienste – seien von der Namensänderung nicht betroffen.

Bereits im Januar hatte der Diakonische Rat des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz den Ausschluss von Bethel beschlossen. Die Entscheidung hätte aber noch von der Mitgliederversammlung am 20. September bestätigt werden müssen. Zur Begründung hieß es damals, dass Bethel die gegen das Werk erhobene Vorwürfe für nicht „hinreichend ausgeräumt“ habe. Zudem sei die Struktur „nicht geeignet, die Grundsätze guter Unternehmensführung in der Diakonie sicherzustellen“. Bethel hatte damals angekündigt, Einspruch gegen den Beschluss einzulegen. Durch den Austritt ist der Einspruch nun hinfällig geworden. Nach den Worten der Pressesprecherin des Diakonischen Werks, Susanne Gonswa (Berlin), ist die Austrittserklärung von Bethel eingegangen. Bis der Diakonische Rat sich damit in der kommenden Woche befasst habe, werde man keine weitere Stellungnahme abgeben.

Zum Hintergrund: Medienberichten zufolge hat der Bethel-Vorstand Karl Behle das Diakoniewerk komplett unter seine Kontrolle gebracht. Zudem soll er sich Pensionsansprüche in Höhe von 5,6 Millionen Euro haben auszahlen lassen, als das Werk 2011 von einem Verein in eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt wurde. Dabei war Bethel in das Eigentum von zwei Stiftungen überführt worden, hinter denen Behle als Stifter steht. Auch soll Behle als Verantwortlicher eine frühere Bethel-Villa an sich selbst günstig verkauft haben.

Bis zum Austritt war das frühere Diakoniewerk dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden durch eine besondere Vereinbarung – eine Bekenntnisgemeinschaft - verbunden. Wiederholt hatten die Leitungsgremien der Freikirche Bethel aufgefordert, sich öffentlich zu den erhobenen Vorwürfen zu äußern. Doch das Werk war dieser Aufforderung nicht nachgekommen. Der Generalsekretär der Freikirche, Christoph Stiba (Wustermark-Elstal), bedauerte nun gegenüber der GEMEINDE die Entscheidung Bethels: „Dieser Schritt geht in die falsche Richtung, weil er darauf hindeutet, dass es der Bethel-Geschäftsführung wichtiger ist, den von ihr bisher eingeschlagenen Weg fortzusetzen, als den berechtigten Forderungen des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und des BEFG nach Transparenz und strukturellen Veränderungen nachzukommen.“ Dennoch wünsche man den Bethel-Einrichtungen und Mitarbeitern in dieser Situation viel Erfolg für ihre Arbeit: „Ihnen und der Schwesternschaft fühlen wir uns verbunden.“

Wie der Vertreter des Bundes im Bethel-Aufsichtsrat, Pastor Harald Kufner (Bad Homburg), auf Rückfrage erklärte, sieht die „Ordnung für Einrichtungen im Status der Bekenntnisgemeinschaft mit dem BEFG“ vor, dass der Status durch die Einrichtung zum Jahresende mit einer Frist von drei Monaten beendet werden kann. So lange gehöre er weiter dem Aufsichtsrat an.

Zu dem Gesundheitswerk gehören ein Krankenhaus sowie zwei Reha-Kliniken und zahlreiche Sozialeinrichtungen mit insgesamt 1.600 Mitarbeitern an bundesweit acht Standorten, die Medieninformationen zufolge einen Jahresumsatz von mehr als 75 Millionen Euro erwirtschaften. Das Werk wurde 1887 in Berlin von dem Baptistenpastor Eduard Scheve (1836 – 1909) als Diakonissenanstalt gegründet.

Klaus Rösler
(10.09.2018)