drucken Diese Nachrichten werden kostenlos von der OnckenStiftung zur Verfügung gestellt. Wenn Sie uns unterstützen wollen, können Sie das hier tun.

Baptistenpastor protestiert gegen rechtswidrige Abschiebung

Eine Familie aus Syrien wurden nach Armenien abgeschoben – wegen ihres Namens

Kassel

– Eine christliche Flüchtlingsfamilie aus Syrien aus dem Großraum Kassel wurde nach Armenien abgeschoben. Das hätte nicht passieren dürfen, sagte der Baptistenpastor Frank Fornaçon der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen (HNA), die über den Fall berichtete. Der 60-Jährige ist Pastor in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kassel-West und gehört zum Präsidium des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Die betroffene Familie hatte losen Kontakt zu seiner Gemeinde, wie weitere rund 120 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak. Sie besuchen den Gottesdienst und nehmen an Deutschkursen der Gemeinde teil.

 

Die abgeschobene Familie stammte den Angaben zufolge aus dem syrischen Aleppo. Die Familie war 2017 nach Deutschland gekommen und lebte zuletzt im nordhessischen Wolfhagen. Den Eltern und der zweijährigen Tochter wurde unterstellt, dass sie keine Syrer seien, sondern armenische Staatsbürger. Damit hätten sie keinen Anspruch auf Asyl. Ein Sprachgutachten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, das belegte, dass die Familie den Dialekt von Aleppo spricht, habe die Gerichte nach Angaben des Pastors nicht überzeugen können. Vorfahren der Familie waren vor dem Völkermord 1915 des damaligen Osmanischen Reiches an den Armeniern nach Syrien geflohen.

 

Besonders kritisiert Fornaçon, dass die Ehefrau trotz eines Attestes einer Risikoschwangerschaft abgeschoben wurde, obwohl sie damit kein Flugzeug hätte besteigen dürfen. Die Familie sei nach Armenien ausgeflogen worden. Dabei kenne sie in dem Land niemanden. Wie Fornaçon der GEMEINDE weiter sagte, ist die Familie gleich nach ihrer Ankunft in Armenien in den Libanon weitergeflogen. Von dort sei sie in ihre Heimatstadt Aleppo zurückgekehrt. „Sie wollten lieber in der zerstörten Heimat leben als in einem fremden Land“, so der Pastor. Er steht weiter in telefonischem Kontakt mit der Familie, die bei Verwandten untergekommen sei.

 

Nach seinen Worten hätte das alles nie passieren dürfen, denn Deutschland schiebe wegen des Bürgerkrieges derzeit niemanden nach Syrien ab. Menschen nur aufgrund eines armenischen Nachnamens abzuschieben, sei mehr als fragwürdig, so Fornaçon. Er hofft, dass anderen Syrern mit armenischen Namen in seiner Gemeinde ein ähnliches Schicksal erspart bleibe.

 

Der Völkermord an den Armeniern war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts. Bei Massakern und Todesmärschen in den Jahren 1915 und 1916 kamen Schätzungen zufolge zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Menschen zu Tode.

 

Klaus Rösler
(10.08.2018)