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Sich den Menschen zuwenden!

„Berufung“ stand im Mittelpunkt der Allianzkonferenz in Bad Blankenburg

Bad Blankenburg

Mit einem Appell zu mehr gesellschaftlicher Einmischung von Christen ist am Sonntag die 123. Glaubenskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg zu Ende gegangen. An dem fünftägigen Treffen zumeist evangelikaler Christen aus Landes- und Freikirchen nahmen rund 1.700 Menschen aus ganz Deutschland teil. Es stand in diesem Jahr unter dem Motto „Berufung". Prominenter Redner war der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder.

 

Der Politikbeauftragte der Evangelischen Allianz, der Baptistenpastor Uwe Heimowski, forderte zu mehr gesellschaftlicher Einmischung auf: „Wir müssen als Christen offen sein dafür, dass uns Not und Elend vor die Füße fallen und unseren Alltag durchbrechen." Christen sollten prüfen, in welchen Lebenssituationen sie Verantwortung übernehmen können. Dies beginne nicht erst bei der Parteipolitik. Die grundsätzliche Bereitschaft, sich Menschen zu zuwenden, sei etwas genuin Christliches.

 

Der Vorsitzende der Allianz, Pastor Ekkehart Vetter (Mülheim/Ruhr), verteidigte die Neufassung der Glaubensbasis der Allianz. Wie er sagte, ist der von Kritikern geäußerte Vorwurf, dass die Fassung nun liberaler sei, unberechtigt. Die Allianz hatte im April eine neu formulierte Glaubensbasis veröffentlicht. Kritische Rückmeldungen habe sie bekommen, weil das Bekenntnis zur Heiligen Schrift von der zweiten Stelle an das Ende der Glaubensbasis gerückt wurde. Dies hätten manche als Herabsetzung der Bibel gewertet, so Vetter. Er wies das zurück: „Beim Vaterunser käme auch keiner Idee zu sagen, dass das, was am Ende steht, weniger wichtig ist.“ Nicht nachvollziehen könne er die Kritik an der Streichung des Wortes „völlig“. In der alten Fassung war von der „völligen Zuverlässigkeit“ der Heiligen Schrift die Rede. Nun heißt es, dass die Bibel „zuverlässig“ sei. Manche Worte ließen sich nicht steigern.

 

Der Vorsitzende des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, der Evangelist Ulrich Parzany (Kassel), wandte sich gegen eine Aufweichung des Begriffs Evangelisation. Das Etikett werde auch auf Gemeindeveranstaltungen geklebt, in denen über Jesus als Retter gar nicht gesprochen werde: „Wo Jesus nicht verkündigt wird, ist es keine Evangelisation.“ Er rief dazu auf, zwischen Methoden und Inhalten zu unterscheiden: „Es gibt nur einen einzigen Weg zu Gott, der heißt Jesus. Aber es gibt Milliarden von Wegen zu Jesus.“

 

Unter den Referenten war auch der Baptistenpastor aus Villingen-Schwenningen, Dr. Michael Großklaus. Er sprach in einem Seminar zu dem Thema „Wie finden Christen ihre Berufung - und welche Rolle spielt dabei ihre Persönlichkeit?“ Wie er sagte, ist es wichtig, Gott und sich selbst gut zu kennen, um die eigene Berufung zu entdecken. Man brauche keine Angst von Gottes Absichten zu haben.

 

Der Allianzgeneralsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart) sagte in seiner Predigt, dass Menschen sich heute Autonomie, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung wünschten. Bis hinein in die Familie und in die christliche Gemeinde gelte der Anspruch, dass man sich wohlfühlen wolle: „Und wenn es mir nicht mehr gutgeht, suche ich andere Konstellationen.“

 

Der Landesinspektor des pietistischen Landesverbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen, Matthias Dreßler (Chemnitz), rief dazu auf, dass Christen ihre von Gott geschenkten Begabungen einbringen sollten: „Wenn jemand sie nicht nutzt, ist er eine Investitionsruine Gottes. Gott hat investiert, es liegt aber brach.“ Manche Aufgaben in der Gemeinde könne man nur mit einer besonderen Begabung tun, etwa im Bereich Musik. Aber für die meisten Aufgaben brauche es vor allem Treue und Willigkeit.

 

Die Islamwissenschaftlerin Mirjam Holmer (Jerusalem) appellierte an die Christen, verstärkt den Kontakt zu Muslimen zu suchen: „Wir wissen oft sehr wenig voneinander.“ Wer genau hinschaue, entdecke auch im Alltag viele Möglichkeiten – etwa, wenn man in einem Imbiss oder Restaurant an der Wand arabische Schriftzüge entdecke und nach der Bedeutung frage.

 

Die Deutsche Evangelische Allianz vertritt als Dachverband rund 1,3 Millionen Christen. Gegründet wurde sie 1846 in London als interkonfessionelle Einigungsbewegung. In Deutschland gibt es rund 1.000 örtliche Allianzgruppen. Hauptsitz ist Bad Blankenburg, wo 1886 die erste Allianzkonferenz stattfand.

 

Klaus Rösler
(09.08.2018)