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Hilfe durch alte Briefmarken

Fast 40 Jahre lang haben sich Hans-Ulrich Tiefert (77) und seine Frau Gudrun (73) um gebrauchte Briefmarken gekümmert – und sie zu Geld gemacht. Seit 1979. Der Erlös setzten sie dafür ein, um im Rahmen des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden Menschen in Not zu unterstützten.

 

Sie bekamen ganze Pakete aus den Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden, Privathaushalten und Firmen in der damaligen DDR zu sich nach Hause in Kaisershagen (bei Mühlhausen) in Thüringen zugeschickt. Er gehört zur Gemeinde Mühlhausen, sie als evangelische Christin zum Freundeskreis der Gemeinde.

 

Beide haben das Material gesichtet, die Briefmarken sorgfältig mit Rand aus den Umschlägen ausgeschnitten und dann sortiert – nach Sammelgebieten. Am Ende wurden die Marken als Kiloware an eine Philatelie-Firma in Sachsen verkauft. Der Erlös ging zunächst an bedürftige Familien in den Gemeinden. Später kamen andere Aufgabenbereiche hinzu. Was auf diese Weise zusammenkam, konnte sich durchaus sehen lassen. Zu DDR-Zeiten gab es für die Briefmarken jedes Jahr zwischen 18.000 und 20.000 Mark.

 

Die DDR gibt es nicht mehr. Doch auch nach der politischen Wende setzte das Ehepaar die Arbeit fort. Der Erlös ging fortan an die Hilfsaktion „Allein mit Kind“ im Bund. In manchen Jahren erzielte der Verkauf der Marken bis zu 12.000 Euro. Damit wurden Erholungsfreizeiten von Alleinerziehenden finanziert. Inzwischen profitiert der Dienstbereich Familie und Generationen von der Briefmarkensammelstelle. 2016 kamen noch fast 4.000 Euro zusammen; im vergangenen Jahr waren es fast 3.000 Euro. Mit den Beträgen wurden ehemalige Prostituierte sowie Jugendliche im Libanon unterstützt. In diesem Jahr wird es für Bedürftige in Malawi eingesetzt.

 

Inzwischen gibt es einen gravierenden Einschnitt: Das Ehepaar Tiefert kann die Arbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fortsetzen. „Mein Mann hat Parkinson“, erläutert Ehefrau Gudrun. Die Folge: Er kann kaum noch die Schere ruhig halten.

 

Warum ist das Ehepaar überhaupt in die Arbeit eingestiegen? Hans-Ulrich Tiefert konnte in einer entsprechenden Anfrage eines Pastors auch eine Anfrage Gottes sehen. Zudem fühlte sich der frühere Lagerarbeiter und spätere Kirchenarchivar durch sein Hobby mit dem Aufgabenbereich verbunden. Er ist leidenschaftlicher Briefmarkensammler. Einst besaß er eine komplette Sammlung aller DDR-Briefmarken. Und weil er mit einer Sammlerin in der Schweiz befreundet war, hatte er auch eine komplette Schweiz-Sammlung. „Beide Sammlungen wurden aufgelöst und für die Missionsarbeit verkauft“, weiß Gudrun Tiefert zu berichten. Die Briefmarkenarbeit war viele Jahre lang der Lebensinhalt des Ehepaares. Pro Woche haben die beiden etwa 30 Stunden ihrer Freizeit investiert. Doch allein ist die Ehefrau heute damit überfordert, weil seit Monaten die Pflege ihre ganze Kraft fordert. „Es ist gut zu wissen, dass Gott da ist und mich immer wieder stärkt“, bekennt sie.

 

Die beiden sind froh, dass sich ein Nachfolger gefunden hat, der den Arbeitszweig weiterführt: Hans Günter Schaardt, Am Rooksberg 36, 29683 Bad Fallingbostel. Er kümmert sich neben Briefmarken auch um Post- und Telefonkarten. Doch das war beim Ehepaar Tiefert nicht anders.  

Klaus Rösler
(09.08.2018)