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Gemeinden das geben, was sie brauchen

Baptistische Dozenten diskutieren Trends theologischer Ausbildung in Europa

Wien

Was müssen baptistische Studenten lernen, um in Zukunft für ihren Dienst in den Gemeinden gut vorbreitet zu sein? Über diese und andere Fragen diskutierten 20 baptistische Dozenten aus 11 europäischen Ländern in Wien bei einer Fachtagung des „Consortiums of European Baptist Theological Schools“ (CEBTS).

Nach den Worten von Daniel Drust vom Dutch Baptist Seminary (Amsterdam) sollten Absolventen des Jahres 2025 beten, die Heilige Schrift erklären und die geistliche Richtung vorgeben können. Einike Pilli vom Tartu Theological Seminary in Estland ist davon überzeugt, dass in der Ausbildung die Persönlichkeit des Studenten eine immer größere Rolle spiele. Dazu müsse der persönliche Einsatz der Lehrenden und das Angebot von Feedback und Mentoring passen. Simon Jones vom Spurgeon´s College (London) berichtete aus seinen Erfahrungen aus Abschlussgesprächen mit Absolventen: „Wir geben den Studenten keine Karte, sondern sie werden in die Lage versetzt, selbst eine Karte zu erstellen.“ Pastoren müssten es zudem lernen, wie Unternehmer zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.

Umstritten war unter den Anwesenden die Frage, ob Pastoren neben dem geistlichen noch einen säkularen Beruf ausüben sollten. Denn immer mehr Gemeinden könnten keine Vollzeitstellen mehr anbieten.

Anthony Cross vom Internationalen Baptistischen Theologischen Studienzentrum (IBTSC/Amsterdam) unterstrich die Notwendigkeit des tiefen theologischen Verstehen für den pastoralen Dienst. In der Kirchengeschichte habe es immer wieder Vorbehalte gegenüber der Theologie gegeben: „Eltern geben manchmal Kindern nicht nur, was sie wünschen, sondern was sie brauchen.“ Das gelte auch für Gemeindehirten: „Wir müssen Gemeinden nicht nur geben, was sie wünschen, sondern was sie benötigen.“

Marion Carson (Schottland) sensibilisierte die Konferenzteilnehmer vor dem Hintergrund persönlicher Schicksalsschläge durch Sterbefälle in jüngster Zeit in der eigenen Verwandtschaft, verantwortlich und einfühlsam zu predigen. Der niederländische Theologe Jan Martijn Abrahamse plädierte für mehr Humor in der Theologie, da die Bibel selbst voller Clownerie sei.

Kontrovers diskutiert wurde ferner ein Ergebnis aus einer US-Studie „Christsein in Westeuropa“, wonach regelmäßige Kirchgänger mehrheitlich stärker gegen Immigranten, Muslime und Juden eingestellt seien als der Rest der Bevölkerung. Sie hätten auch andere Überzeugungen zu Fragen der Abtreibung und Homosexualität. Pastor Michael Rohde (Hannover), der an der Tagung als Mitglied der Kommission für Theologie und Ausbildung der Europäischen Baptistischen Föderation teilnahm, unterstrich die Notwendigkeit, Studenten und Gemeinden darauf vorzubereiten, über solche „heiße Kartoffeln“ diskutieren zu können. Sein Fazit: „Die Anwesenden sind gemeinsam überzeugt, dass die Anforderungen an die Persönlichkeit eines Pastors gewachsen sind und daher die Lernmethoden ganzheitlicher sein müssen.“

Klaus Rösler
(12.07.2018)