drucken Diese Nachrichten werden kostenlos von der OnckenStiftung zur Verfügung gestellt. Wenn Sie uns unterstützen wollen, können Sie das hier tun.

Baptisten würdigen die #MeToo-Bewegung

Baptistischer Weltbund verabschiedete in Zürich drei Resolutionen

Zürich

–  Der Baptistische Weltbund (BWA) hat die #MeToo-Bewegung gewürdigt. Sie habe dazu beigetragen, Belästigungen und Gewalt gegen Frauen öffentlich zu machen, heißt es in einer Resolution, die auf der Generalkonferenz des Weltbundes in Zürich verabschiedet wurde. Wie es heißt, sind Gewalt und Missbrauch von Frauen und Mädchen weltweit unmoralisch und ständen im Gegensatz zum Evangelium. Zugleich wird eingeräumt, dass sich die Kirche „zu oft der Misshandlung und Erniedrigung von Frauen und Mädchen und der Verschleierung von Misshandlungen schuldig gemacht hat“.

 

Scharfe Kritik üben die Baptisten an der US-Flüchtlingspolitik. An der Grenze zu Mexiko waren fast 2.000 Kinder von ihren Eltern getrennt worden, die einen illegalen Grenzübertritt in die USA versucht hatten. Die Kinder waren in Heimen untergebracht worden. Die Bibel rufe dazu auf, mit Liebe und Gerechtigkeit auf die Notlage von Einwanderern, Migranten und Flüchtlingen zu reagieren, heißt es in einer weiteren Erklärung. Sie verweist auf zahlreiche Bibelstellen: Micha 6: 8; Matthäus 22: 34-40, 25:35, 40; Römer 12:13; Hebräer 13: 1-3. Gott habe die Familie als Bestandteil einer gesunden Gesellschaft geschaffen. Mit scharfen Worten werden Behauptungen von US-Regierungsbeamten zurückgewiesen, dass die Bibel eine Politik der erzwungenen Trennung von Familien rechtfertige. Die Baptisten fordern die US-Regierung dagegen dazu auf, „darauf hinzuarbeiten, dass jede Familie wiedervereinigt und solche Trennungen in Zukunft verhindert werden.“

 

Ferner kritisierten die Delegierten Verletzung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit im Osten der Ukraine. In einer Resolution wird besonders auf die Lage in der Region Lugansk eingegangen. Sie sei allein von Russland als „Lugansker Volksrepublik“ anerkannt worden. Ein dort verabschiedetes neues Religionsgesetz bedrohe nun die Existenz religiöser Gruppen, auch der Baptisten. Allein die Gemeinden der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROC) seien anerkannt. Alle anderen Gruppen müssten sich neu registrieren lassen. Der Weltbund ruft die Machthaber in Lugansk auf, das Gesetz zu ändern und in Einklang mit internationalen Standards der Religions- und Glaubensfreiheit zu bringen.

 

Der Präsident des Baptistischen Weltbundes, Paul Msiza (Penil Salem/Südafrika), bezeichnete es als „aufregend“, dass die Baptisten auf der ganzen Welt ihr Hauptaugenmerk auf Mission legten. Dabei wisse man sich einem ganzheitlichen Ansatz verpflichtet, der Wort und Tat beinhalte. Besorgt äußerte sich Mzisa über die Jugend. Er frage sich, warum Jugendliche nicht in Kirchen gingen. Hier müsse man sich ändern, um Jugendliche zu erreichen.

 

BWA-Generalsekretär Elijah Brown (Falls Church bei Washington) erinnerte an die kirchengeschichtliche Vergangenheit von Zürich, einem Zentrum der Reformation. Die Stadt erinnere „an die verändernde Kraft des Wortes Gottes“. Den fünf Grundprinzipien der Reformation – allein die Schrift, allein der Glaube, allein Christus, allein die Gnade, sowie Gott allein gehört die Ehre – wüssten sich auch die Baptisten verpflichtet. Zugleich bedauerte er, dass viele Menschen wegen ihres Glaubens auch heute noch verfolgt würden. Gerade für sie sei das Wort Gottes von besonderer Bedeutung.

 

An der Tagung in Zürich beteiligten sich 320 Delegierte aus 42 Ländern. Der deutsche Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden war mit zehn Delegierten vertreten. Darunter waren Präsident Michael Noss (Berlin) und Generalsekretär Christoph Stiba (Wustermark). Referate hielten der Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, Prof. Michael Kißkalt, und der Kirchengeschichtler Prof. Martin Rothkegel, der die Thema „Täufer“ und „Menschenrechte“ behandelte. Kißkalt sprach über den „Interreligiösen Dialog“. Gegenüber der GEMEINDE zeigt sich Kißkalt beeindruckt von den vielen Berichte über das Wirken Gottes in aller Welt: „Wir kämpfen und leiden – und merken bei alledem das Wirken Gottes.“ Dies sei ein Grund zur Dankbarkeit und zum Feiern. Der Baptistische Weltbund repräsentiert nach eigenen Angaben 48 Millionen Mitglieder in 169.000 Gemeinden in 124 Ländern.

 

Klaus Rösler
(12.07.2018)