drucken Diese Nachrichten werden kostenlos von der OnckenStiftung zur Verfügung gestellt. Wenn Sie uns unterstützen wollen, können Sie das hier tun.

Wo man die Liebe Gottes förmlich atmen kann

Ein Besuch in baptistischen Hilfsprojekten im Libanon und Jordanien

Berlin/Erlangen

Zwei Vertreter des deutschen Baptistenbundes haben Jordanien und den Libanon besucht – im Auftrag des Hilfswerk German Baptist Aid (Wustermark bei Berlin): Pastor Frank Wegen als Koordinator der Aktionen für den Libanon und Joachim Gnep als Leiter des Dienstbereichs Mission. Sie konnten sich vor Ort darüber informieren, wie Christen den Flüchtlingen vor allem aus Syrien beistehen. Ihre Reiseeindrücke fassten sie in zwei getrennten Berichten zusammen.

 

Joachim Gnep beobachtete den Libanon, jenes kleine Land im Nahen Osten, das weltweit im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Geflüchteten aufgenommen hat! Geschätzt 1,5 Millionen Syrer (davon die Hälfte Kinder) haben hier Schutz gefunden.

 

„Seit mehr als 10 Jahren arbeitet German Baptist Aid sehr eng mit der Baptistischen Gesellschaft (LSESD) zusammen. Der erste Projektbesuch führt uns an die syrische Grenze nach Zahle im Osten des Landes, wo wir zuletzt ein medizinisches Projekt gefördert haben. Die Baptistengemeinde dort ist voller quirligem Leben: jeden Tag bekommen hier 600 Kinder in zwei Schichten Schulunterricht durch überwiegend syrische Lehrkräfte, die selbst das Schicksal der Flucht teilen. Zum sehr umfangreichen diakonischen Engagement der Gemeinde gehört u.a. auch das neu entstandenes „Community Center“, direkt neben einem Flüchtlingslager im Bekaa-Tal. „Für diese Menschen ist es zu weit in die Stadt“, sagt Naji Daoud, der Projektverantwortliche. In Containern neben einem großen Spielplatz wird Englisch und Arabisch unterrichtet, in einem anderen stehen Waschmaschinen. In weiteren Containern finden sich das Medizinzentrum, in dem täglich 25 bis 30 Menschen behandelt werden, und eine Kleiderkammer.

 

Eine weitere Station der Reise liegt im Nordosten von Tripoli: „Child friendly Spaces“ (kinderfreundliche Räume). 250 Kinder werden hier bis zu zweimal in der Woche unterrichtet. Auch hier lehren überwiegend Geflüchtete aus Syrien. Wir nehmen an einer Unterrichtseinheit mit einer Psychologin teil, die Werte vermittelt – heute: „Alle Menschen sind gleichwertig!“. Ein anderer Raum für Diagnose und Therapie ist für die Arbeit von SKILD reserviert. Dieses ebenfalls von German Baptist Aid unterstützte Projekt für lernbehinderte Kinder bietet Kindern landesweit Hilfe, deren Behinderungen ansonsten gesellschaftlich tabuisiert werden. Michel Sawan als Mitarbeiter der Ortsgemeinde zeigt uns schließlich die regelmäßig ausgeteilten Hygienepakete für Familien. „Wir wollen den Kindern in der Liebe Gottes begegnen, das ist das Wichtigste,“ sagt er.

 

Diese Haltung erfüllt in besonderer Weise auch das „Tahaddi Education Center“, mitten in einem der Beiruter Elendsviertel. Konsequent und sehr professionell wird hier auf die Bedürfnisse der geschätzt 10.000 Menschen reagiert. Es gibt ein Programm für Kleinkinder bis 5 Jahre, Schulunterricht, Sportunterricht auf der Dachterrasse, ein Medizinisches Zentrum, Sozialarbeit vor Ort und auch „zu Hause“, psychologische Betreuung, ein Computerraum zum Erlernen von Grundkenntnissen für den Arbeitsmarkt. Im Nähzentrum stellen Frauen auf engstem Raum mit viel Geschick Schürzen, Topflappen, Taschen und andere Gegenstände für den täglichen Bedarf her. Auch die 2.400 Decken für das Winterprojekt werden hier gefertigt und stolz präsentiert. Ein doppelter Nutzen: Die Frauen verdienen damit Geld für den Lebensunterhalt.

 

Wir begleiten die Leiterin Catherine Mourtada zu Hausbesuchen durch die verwinkelten Gassen und Trampelpfade. Immer wieder klebt ein übler Gestank in der heißen Luft. Atemberaubend ist aber vor allem, wie sehr Catherine hier geachtet wird. Sie weiß um die Geschichten der Menschen hier zwischen Wellblech und Müll. Zurück in ihrem Büro platzt ein kleines Kind mit verletztem Fuß mitten in ein Gespräch. Sofort wendet sich Catherine dem Kind zu und verarztet es. Diese Erfahrung steht sinnbildlich für das, wofür die Projekte stehen: Die Menschen stehen immer im Mittelpunkt!“

 

Frank Wegen schreibt über den Besuch in einer Seifenproduktion in Jordanien: Die im vergangenen Jahr dort beschäftigten 164 Frauen stellen jeden Monat über 900 Stück Seife her.

 

„Eine fröhliche Stimmung schlägt uns entgegen. Eine Handvoll Frauen ist damit beschäftigt, Seife herzustellen. Sie berichten, was sie hinter sich haben – davon, wie der siebzehnjährige Sohn durch einen Kopfschuss getötet und der Mann durch Folter arbeitsunfähig wurde. Eine andere zeigt auf ihrem Handy Bilder ihres zerstörten Hauses in Syrien. Unvorstellbares Leid haben diese Frauen hinter sich. Heute können sie sogar wieder lachen.

 

Die Seifenwerkstatt des Zarqa Life Center ist ein baptistisches Projekt in Zarqa, eine gute halbe Autostunde östlich von der Hauptstadt Amman entfernt. Seit vergangenem Jahr wird das Projekt von German Baptist Aid unterstützt. Die Frauen können dort ein Einkommen erzielen, um für ihre Familien sorgen zu können. Sie fühlen sich wertgeschätzt. Es ist eine sehr dichte Atmosphäre: Man kann die Liebe Gottes hier förmlich atmen.

 

Für hochwertige Seife gibt es einen Markt, erläutert uns Gertrud Khoury – eine seit 1966 in Jordanien lebende Deutsche –, die Leiterin der Einrichtung. Also habe man im vergangenen Jahr viel investiert, um Seife in Handarbeit herzustellen, die den Qualitätsansprüchen auch genügt. Die Frau, die ihren Sohn verloren hat, erzählt, dass ihr jemand einen Jesusfilm geschenkt habe. Sie habe ihn sich zusammen mit ihrem Mann angeschaut und am Ende wehmütig gesagt: Wenn dieser Jesus heute leben würde, er würde uns in unserer Not sicher auch helfen. In der darauffolgenden Nacht sei ihr Jesus im Traum erschienen und habe zu ihr gesagt: Es gibt mich tatsächlich und ich helfe dir. Diese Frau hat neuen Lebensmut gewonnen und hat mittlerweile in der Seifenwerkstatt Verantwortung übernommen. ‚Wir müssen nun schauen, wie wir uns mehr Abnehmer unserer Produkte erschließen’, meint Gertrud Khoury, denn monatlich wird momentan noch mehr Seife mit verschiedenen Düften produziert als abgenommen wird.

 

Das Zarqa Life Center ist nicht nur für syrische Flüchtlingsfrauen offen, sondern auch für Jordanierinnen oder Palästinenserinnen, die in angespannten finanziellen Verhältnissen leben. Es gibt eine Reihe von Bildungsangeboten wie Englischunterricht oder auch Arabischunterricht für Analphabeten. Fast 900 Frauen haben das Haus von Januar bis April dieses Jahres aufgesucht. Auf dem Programm stehen auch Andachten, an denen manche Frauen mit Interesse teilnehmen. Dem Center angegliedert ist ein Kindergarten mit drei Erzieherinnen, die auch einen Blick für Kinder mit Einschränkungen haben, sowie eine kleine Poliklinik. Hier wird Gottes Liebe konkret, weil Menschen im Namen Jesu hingehen.“

Klaus Rösler
(05.07.2018)