drucken Diese Nachrichten werden kostenlos von der OnckenStiftung zur Verfügung gestellt. Wenn Sie uns unterstützen wollen, können Sie das hier tun.

Predige das Wort – lebe authentisch

970 Teilnehmer bei einer Predigerkonferenz des Bibelseminars Bonn in Lemgo

Lemgo

Die Anforderungen an ehrenamtliche Leiter in christlichen Gemeinden sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das sagte der Leiter des Bibelseminars Bonn, Heinrich Derksen (Bornheim bei Bonn), bei einer viertägigen Predigerkonferenz in Lemgo (bei Bielefeld). Sie fand im Gemeindezentrum der Mennoniten-Brüdergemeinde Lemgo statt. An der Veranstaltung unter dem Motto „Predige das Wort – lebe authentisch“ nahmen 970 Verkündiger aus über 200 überwiegend russlanddeutschen Gemeinden teil. Auch einige Mitglieder aus Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden waren unter den Mitwirkenden und Besuchern.

 

Für die Ehrenamtlichen werde es immer schwieriger, ihre verschiedenen Aufgaben „unter einen Hut zu bringen“, sagte Derksen. Ein Grund sei, dass sie im Beruf häufig stark gefordert seien. Auch die Ansprüche der Gemeindemitglieder an die Leiter seien gewachsen. So werde von ihnen erwartet, auch kritische Fragen überzeugend beantworten zu können. Durch die historisch-kritische Methode, die an den Universitäten gelehrt wird, nähmen etwa Zweifel an Historizität und Glaubwürdigkeit der Bibel zu. Auch in ethischen Fragen gebe es heute in den Gemeinden mehr Diskussionen als in früheren Jahren, etwa bei der Ablehnung von Abtreibungen. Das Ziel der Predigerkonferenz sei, Verkündiger im Eintreten für die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift zu stärken. Die Veranstaltung findet seit 2008 alle zwei Jahre statt. In diesem Zeitraum habe sich die Zahl der Teilnehmer um rund 30 Prozent erhöht.

 

Auch in russlanddeutschen Gemeinden spielten hauptamtliche Pastoren eine immer zentralere Rolle, sagte der Theologe Daniel Hildebrandt (Bielefeld) auf der Konferenz. Dadurch drohe das Bewusstsein für die große Bedeutung der ehrenamtlichen Prediger verlorenzugehen. Für die Gemeinden sei es eine wichtige Bereicherung, dass sie in die Verkündigung auch Erfahrungen aus „normalen Berufen“ einbringen könnten.

 

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, sagte in einem Vortrag über seinen Einsatz für Religionsfreiheit, die Verfolgung von Christen nehme weltweit dramatisch zu.

 

Der Theologieprofessor der Freien Theologischen Hochschule Gießen, der Baptistenpastor Dr. Helge Stadelmann, unterstrich in einem Seminar den Stellenwert der Theologie im Alltag eines Predigers. Der zum Freundeskreis der Baptistengemeinde Westerland gehörende Alexander Schick sprach über neue Erkenntnisse aus der Auswertung der Qumran-Rollen. Der Pastor der Internationalen Baptistengemeinde Gießen, Dr. Cleon Rogers, gestaltete gleich zwei Seminare: zum Konferenzmotto „Lebe authenisch“ wie auch über den Einsatz moderner Techniken bei der Verkündigung. Der Baptistenpastor i. R. und Evangelist Lothar Leese (Bad Salzuflen) zeigte sich begeistert über das Treffen. Gängige Vorurteile über russlanddeutsche Gemeinden seien überholt: „Bibeltreue Frömmigkeit, moderne Lieder, perfekte Organisation – hier kam alles zusammen.“ 27 Prozent aller Teilnehmer seien jünger als 30 Jahre gewesen.

 

Veranstalter der Predigerkonferenz sind das Bibelseminar Bonn, das Forum evangelischer Freikirchen, in dem rund 100 Gemeinden zusammengeschlossen sind, und die größte protestantische Kirche in den USA, der 15 Millionen Mitglieder zählende Bund der Südlichen Baptisten. Er ist seit 2005 durch eine Partnerschaft mit dem Bibelseminar verbunden.

 

Klaus Rösler
(08.06.2018)