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Wenn jemand gegen die Etikette verstößt

Zwei Düsseldorfer Gemeinden feiern gemeinsam einen Festgottesdienst

Düsseldorf

- Zwei Gemeinden mit gemeinsamer Geschichte haben in Düsseldorf einen Festgottesdienst gefeiert. Anlass waren zwei Jubiläen, das 129-jährige Bestehen der Gemeinde Luisenstraße und das 25-jährige der Rheinkirche (vormals Gemeinde Christophstraße). Seit wenigen Wochen teilen sich die beiden Gemeinden das Gemeindehaus in der Luisenstraße, nachdem die Rheinkirche ihr bisheriges Gemeindezentrum nicht länger mieten konnte. Das bedeutet, dass jede Gemeinde ihren eigenen Gottesdienst feiert. Den Festgottesdienst hatten die beiden Gemeinden aber gemeinsam vorbereitet. Völlig klar sei es gewesen, dass Typisches von jeder Gemeinde eingeplant wurde, teilte der Pastor der Gemeinde Luisenstraße, Siegfried Wolf, der GEMEINDE mit. Eine ausführliche Anbetungszeit mit neuen Liedern und Bandbegleitung sowie Orgelvorspiel und Choräle fanden ihren Platz. Das Abendmahl wurde an verschiedenen Stellen gleichzeitig an Mitglieder beider Gemeinden ausgeteilt. Nach dem Gottesdienst traf man sich im Untergeschoss zu einem Büfett – mit Spezialitäten aus der iranischen und deutschen Küche.

 

Zu Gast war der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Christoph Stiba (Elstal). Er wies in seiner Festpredigt über die Geschichte von der Salbung Jesu durch eine Frau auf die schon damals anzutreffende Neigung hin, Etiketten zu verteilen. Für den Gastgeber, den Pharisäer Simon, habe kein Zweifel bestanden, dass die Frau das Etikett Sünderin verdiente. Natürlich kennten auch Christen heute manche Zuschreibung. Da gelte es, Jesu Frage ernst zu nehmen: „Siehst du diese Frau? Oder siehst du nur das Etikett, das du einem Menschen verpasst hast?“Stiba stellte einige Fragen: „Können wir hinter einem Handeln, das aus dem Rahmen fällt, das Motiv von Liebe und Dankbarkeit erkennen? Oder sehen wir nur einen Verstoß gegen die Etikette, wie es damals aufgefasst wurde?“

 

Die Frage, ob sich zwei Gemeinden, die sich vor 25 Jahren im Konflikt getrennt hatten, wieder auf einander zu bewegen können, hat nach Einschätzung von Wolf eine erste Antwort gefunden. Ja, sie nutzen vorläufig dieselben Räume. Sie suchen nach einem Weg der Versöhnung. Der Festgottesdienst war ein gelungener Auftakt. Dass sich Mitglieder beider Gemeinden nun sonntäglich begegnen, biete die Chance, um den persönlichen Austausch zu intensivieren. Nach einem Jahr soll geprüft werden, wie es weitergehen kann.

 

Klaus Rösler
(08.06.2018)