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Lebenshilfe praktisch: Die Psalmen beten

Benediktinerpater zu Gast bei den Baptisten: „Eine Dehnübung für das Herz“

Kassel

– Das Beten der Psalmen als Lebenshilfe hat der Benediktinerpater Nikodemus Schnabel (Jerusalem) empfohlen. Wie der Angehörige der Gemeinschaft vom Zion in Jerusalem auf der Bundesratstagung (Synode) des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden sagte, hat seine Gemeinschaft damit gute Erfahrungen gemacht. Viele Menschen definierten sich über das, was sie leisten. Andere mühten sich ab, um ein positives Image zu bekommen und wieder andere definierten sich über ihren Besitz. Doch wenn diese Werte allein das Leben bestimmten, werde man krank. Man werde aggressiv, depressiv oder zynisch. Diesen Menschen gehe die Fähigkeit zu echter Begeisterung verloren. Als Gegenmittel empfahl der in Stuttgart aufgewachsene katholische Geistliche, die Psalmen zu beten. In ihnen finde sich die ganze Spannbreite menschlichen Erlebens – von der Erfahrung, von Gott verlassen zu sein, über Hass und Zorn bis hin zu dem Gefühl, in Gott geboren zu sein. Psalmen bezeichnete er als „eine Dehnübung fürs Herz“. Ferner rief er dazu auf, Gott auch alle Wünsche und Sehnsüchte zu sagen. Nur dann könne die eigene Seele Ruhe finden. Die Bundesratstagung der Freikirche stand unter dem Motto „Inspiriert leben … dass Christus Gestalt gewinnt“. Wie Schnabel dazu sagte, habe er sich sehr gefreut, von den Baptisten eingeladen zu werden und über seine eigenen geistlichen Erfahrungen zu berichten. Die Begegnung mit den Angehörigen der Freikirche sei ihm so wichtig gewesen, dass er dafür einige Veranstaltungen auf dem parallel stattfindenden Katholikentag in Münster abgesagt habe.

Die Bibel in der Gender-Debatte: „Hier ist nicht Mann noch Frau“

Nach den Worten des an der CVJM-Hochschule in Kassel lehrenden Theologe Prof. Tobias Faix wächst heute eine Generation heran, die spirituell suchend ist. Doch von den Kirchen erwarteten sie keine Antworten mehr. Stattdessen gestalteten sie ihren persönlichen Glauben nach eigenen Wünschen. Faix: „Die biblische Wahrheit hat nicht mehr Autorität als die eigene subjektive Wahrheit.“ Dennoch sei es durchaus möglich, diese Menschen für den christlichen Glauben zu gewinnen – indem man ihnen zuhöre und echte Beziehungen zu ihnen aufbaue. So riet Faix beispielsweise, das Evangelium zu präsentieren als eine gute Nachricht von der Befreiung aus Konsumdruck und Leistungszwang, als Hilfe gegen Abstumpfung und Orientierungslosigkeit, als Mittel gegen Anonymität und Vereinsamung. Dazu gehöre es auch, eine „Theologie des Essens“ zu entwickeln, um das Leben mit Suchenden zu teilen. Zudem gelte es verstärkt, der Kraft des Kreuzes zu vertrauen. Es stehe nach den Worten von Faix auch für Solidarität, Versöhnung, Weltverantwortung und Frieden. Wer dagegen im Kreuz nur das biblische Zeichen für die Erlösung der Menschen von ihrer Schuld sehe, baue Mauern auf, die möglicherweise spirituell Suchende davon abhielten, eine Beziehung zu Jesus Christus einzugehen. Faix: „Wir müssen die Vielfalt, für die Jesus steht, neu erklären.“ Unter anderem regte er an, als Christen offensiv in der Gender-Diskussion verstärkt Position zu ergreifen und darauf hinzuweilen, dass etwa die Diskussion um Geschlechter nach der Bibel keine Rolle spielt. Zur Begründung verwies Faix auf das Neue Testament, wo es im Galaterbrief 3,28 heißt: „Hier ist nicht Mann noch Frau.“ In christlichen Gemeinden sollte jeder so angenommen werden, wie er ist: „Jeder ist willkommen.“ Zudem könnten die Gemeinden auf diese Weise als Versöhner in großen Konflikten auftreten: „Eine solche Sicht von Spiritualität eröffnet neue Möglichkeiten.“

 

Klaus Rösler
(14.05.2018)