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Die Evangelische Allianz ist die Toppexpertin für Religionsfreiheit

Politikvertreter Heimowski: Als Christen selbstbewusster auftreten

Kassel

–  Vor zu großen Erwartungen an seinen Dienst hat der Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz des Bundestages und der Bundesregierung, Uwe Heimowski (Berlin), gewarnt. In Berlin gebe es 2.000 akkreditierte Interessenvertreter: „Wir sind nur eine kleine Bewegung.“ Einfluss könne man allerdings über Vertrauen und Kompetenz gewinnen, sagte er in einer Podiumsdiskussion auf der Bundesratstagung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) vom 9. bis 12. Mai in Kassel. Die Mitglieder der Evangelische Allianz seien allerdings Toppexperten zur Religionsfreiheit. Hier seien die Christen gefragte Gesprächspartner, gerade auch im Bundestag. Immer wieder kommt es nach seinen Worten auch zu seelsorgerlichen Begegnungen, obwohl diese gar nicht zu seinem Dienstauftrag gehörten. Allein in der vergangenen Woche habe er mit fünf Bundestagsabgeordneten aus vier Parteien auf deren Wunsch hin gebetet. Zudem rief er dazu auf, als Christen selbstbewusster aufzutreten. So stellten in seinem Wohnort Gera/Thüringen die Christen nur acht Prozent der Bevölkerung. Doch die Flüchtlingshelfer vor Ort seien zu 60 Prozent Christen: „Wir sind aktiver, als wir es wahrnehmen.“ Gerade auch die kleineren Freikirchen bräuchten sich mit ihrem Engagement nicht hinter den großen Volkskirchen zu verstecken.

 

An Homosexuellen schuldig geworden

Heimowski wandte sich dagegen, als Vertreter in einer theologisch konservativen Bewegung „in eine bestimme Schublade“ gesteckt zu werden. Natürlich trete er dafür ein, dass die Ehe allein aus einem Mann und einer Frau bestehe. Dennoch glaube er auch, dass Christen an homosexuellen Menschen schuldig geworden seien, wenn sie sie in ihren Reihen ausgrenzten. Er wisse, dass er von manchen theologisch konservativen Christen deshalb mit dem Vorwurf konfrontiert werde, „nicht richtig bibeltreu“ zu sein: „Die Spannung muss ich aushalten.“ Zu seinem Dienstverständnis gehöre es jedoch, immer das zu sagen, was er wirklich denke und sich nicht verbiegen zu lassen.

 

Wenn Kinder keine Christen werden

Die Redakteurin der christlichen Familienzeitschrift „Family“ (Witten), Bettina Wendland, appellierte an christliche Eltern, nicht die Schuld bei sich selbst zu suchen, wenn ihre Kinder keine Christen seien: „Glaube ist immer ein Geschenk.“ Man könne den Glauben nicht erzwingen. Im Zweifelsfall sei es wichtiger, Kindern und Jugendliche Freiräume einzuräumen, als sie beispielsweise zu zwingen, jeden Sonntag mit in den Gottesdienst zu gehen.

 

Gott im Obdachlosen sehen

Die (katholische) Pastoralreferentin und „Wort zum Sonntag“-Sprecherin, Lissy Eichert (Berin), berichtete über ihre Arbeit unter Obdachlosen in Berlin-Neukölln. Es sei ihr Ziel, in jedem Menschen „etwas von Gott zu sehen“. Dadurch lerne sie, Gott besser zu verstehen. So habe sie zusammen mit einem Koch, der zehn Jahre auf der Straße gelebt habe, ein soziales Catering aufgebaut. Es versorge Hunderte bedürftiger Menschen mit guten Gerichten. So bleibe soziale Gerechtigkeit nicht länger nur ein Schlagwort, sondern man könne es leben. Eichert gehört der Pallottinischen Gemeinschaft in Berlin an, die auf den 1850 gestorbenen italienischen Pfarrer Vinzenz Pallotti zurückgeht. Ihr Ziel ist es, die Nachbarschaftskontakte in dem Stadtteil zu fördern.

 

Klaus Rösler
(14.05.2018)