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Baptisten sollten Antisemitismus öffentlich widersprechen

Präsident Noß: Vom US-Bürgerrechtler Martin Luther King lernen

Kassel

Kritik am zunehmenden Antisemitismus in der Gesellschaft hat der Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Michael Noß (Berlin) geübt. Baptisten sollten öffentlich widersprechen, wenn sie mit antisemitischen Formulierungen konfrontiert werden, sagte er im seinem Präsidentenbericht auf der Bundesratstagung (Synode) seiner Freikirche vom 9. bis 12. Mai in Kassel. Das beginne bei Formulierungen wie „Das wird man doch noch mal sagen dürfen“. Vom US-Bürgerrechtler und Baptistenpastor Martin Luther King, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährte, könne man lernen, Nein zu sagen. Auch wenn man als Bund nur eine kleine Kraft habe, könne diese dazu beitragen, Lebensverhältnisse positiv zu verändern. Juden bezeichnete Noß als „Brüder und Schwestern“.

 

Ferner rief er dazu auf, als Bund mit kleiner werdenden Gemeinden die eigenen Strukturen zu kritisch überprüfen. Man müsse sich fragen, ob die vorfindlichen Strukturen wirklich noch hilfreich seien oder ob man nicht zu viel Kraft aufwenden müsse, um sie am Leben zu erhalten. So falle es manchen Landesverbänden seines Bundes immer schwerer, freiwerdende Plätze im Vorstand mit Interessenten zu besetzen. Er regte an, auf Ortsebene die Grenzen der eigenen Gemeinden zu überwinden und eine Reichsgottesperspektive einzunehmen und mit Gemeinden anderer Benennungen zusammenzuarbeiten: „Alle haben doch die gleichen Probleme.“

 

Vor zwei Jahren hatte der Bundesrat die Bundesgeschäftsführung der Freikirche beauftragt, zu überprüfen, wo eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Bund Freier evangelischer Gemeinden (Feg/Witten) möglich sei. Dazu erklärte der Generalsekretär der Freikirche, Christoph Stiba (Wustermark bei Berlin), dass es in eigenen Bereichen bereits eine enge Zusammenarbeit gebe. So singe man seit 1976 aus einem gemeinsamen Gesangbuch. Auch im Bereich Gemeindegründungen, Seelsorge und biblische Unterweisung von Kindern gebe es bereits Kooperationen. Bei einem letzten Treffen sei darüber hinaus vereinbart worden, drei bis fünf Arbeitsfelder auszuloten, wo man verstärkt zusammenarbeiten könne. Dabei sei allerdings noch völlig offen, welche Bereiche dies sein könnten. Ferner rief Stiba dazu auf, zum Krieg in Syrien laut nein zu sagen: „Krieg und Gewalt können keine Lösung sein.“ Zugleich gelte es, einen friedfertigen Lebensstil in den eigenen Gemeinden zu praktizieren. Jede Form von Engstirnigkeit im Gemeindealltag müsse überwunden werden.

 

In der Aussprache rief der Baptistenpastor Günter Mahler (Reutlingen) dazu auf, als Baptistenbund die Bundesregierung aufzufordern, nicht länger Rüstzungsgüter in Krisengebiete zu exportieren.

 

Der Baptistenpastor Steffen Kahl (Sindelfingen) unterstrich die Notwendigkeit zur überkonfessionellen Zusammenarbeit. An seinem Wohnort in Sindelfingen besuchen keine 1.000 Menschen die Sonntagsgottesdienste, aber über 2.000 Muslime die Freitagsgebete. Christen müssten sich verstärkt als Angehörige des Reiches Gottes vor Ort verstehen.

 

Der Baptistenpastor Heinrich-Christian Rust (Braunschweig) wies darauf hin, dass es weltweit eine ökumenische Sammlungsbewegung gebe. Man treffe sich zum gemeinsamen Gebet, pflege die Gemeinschaft in Jesus und lerne aus der Bibel. Zugleich unternehme man verstärkt gemeinsam Missionsanstrengen. Rust warnte die Baptisten davor, vor allem bei der Mission einzusteigen: „Wenn wir nicht im Geist Gottes unterwegs sind, können wir missionieren so viel wir wollen – wir werden nichts erreichen.“ In allem gelte es auf den Geist Gottes zu hören.

 

Klaus Rösler
(14.05.2018)