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Vom Ölbaum und dem eingepropften Zweig

Fachkreis Christen und Juden will die „Rechenschaft vom Glauben“ überarbeiten

Kassel

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden will sein Verhältnis zum Judentum präzisieren. Dazu gehört es auch, den Bekenntnistext „Die Rechenschaft vom Glauben“ aus dem Jahr 1977 zu überarbeiten. Wie der Vorsitzende des Fachkreises Juden und Christen, Pastor Dr. Michael Rohde (Hannover), auf einem entsprechenden Forum auf der Bundesratstagung in Kassel sagte, handelt es sich einerseits bei der „Rechenschaft vom Glauben“ um ein kirchenhistorisches Dokument. Andererseits müsse der Abschnitt über das Verhältnis von Christen und Juden dringend überarbeitet werden, „um das, was Baptisten und Brüder heute glauben, angemessen auszudrücken“. Er verwies auf das Bild des Apostels Paulus aus dem Römerbrief, nach dem die Christen wie ein Zweig sind, der in einen bestehenden Ölbaum – dem Bund Gottes mit seinem Volk Israel – eingepropft wurde (Römer 11). So heiße es beispielweise im Abschnitt 5 der „Rechenschaft vom Glauben“: „Der neue Bund, in dem Gott seine Herrschaft der Gnade für alle Menschen aufgerichtet hat, löste alten Bund ab und bringt ihn zugleich zur Erfüllung“. Dieser Satz förderte aus heutiger Sicht das Missverständnis, als würden die Mitglieder im Bund davon überzeugt seien, „dass der Bund Gottes mit Israel aufgehoben oder ersetzt worden sei. Dabei habe eine Handreichung des Bundes „Zum Verhältnis von Juden und Christen“ aus dem Jahr 1997 bereits erklärt, dass das Volk Israel von Gott bleibend erwählt sei. Rohde: „Gott hat den Bund nicht aufgekündigt.“ Auch in der Charta Oecumenica, die 2001 vom Bund feierlich unterzeichnet worden war, gebe es eine ähnliche Formulierung.

 

In dem Forum stellten der Elstaler Theologe Prof. Dr. Carsten Claußen und die Pastorin Deborah Storek, die ein Jahr in Jerusalem gelebt hat, sämtliche seit 2014 erarbeiteten neuen Formulierungen vor. Die 120 Teilnehmer des Forums stimmten in einer Trendabstimmung einstimmig dafür, dem Bundesrat 2019 die Überarbeitung zur Abstimmung vorzulegen. Wie Rohde dazu weiter ausführte, werde man als Fachkreis in einen aktiven Dialog mit jüdischen Theologen und einem Vertreter messianischer Juden treten. Er hoffe, dass die neuen Formulierungen dazu beitragen, „im Bund einen respektvollen Umgang mit Juden zu pflegen“. Ferner empfahl Rohde, den jährlichen Israel-Sonntag in den Gemeinden zu begehen und die diakonische Initiative „Dienste in Israel“ weiterhin kräftig zu unterstützen.

Klaus Rösler
(14.05.2018)