drucken Diese Nachrichten werden kostenlos von der OnckenStiftung zur Verfügung gestellt. Wenn Sie uns unterstützen wollen, können Sie das hier tun.

Erinnerung an den grauen Bus

Holocaust-Gedenkgottesdienst in Schöningen: 300.000 Behinderte getötet

Schöningen

Im Mittelpunkt des Holocaust-Gedenkgottesdienstes in diesem Jahr am 27. Januar in Schöningen (bei Helmstedt) standen die Euthanasieverbrechen der Nazis. Es wurde daran erinnert, dass 300.0000 geistig und körperlich behinderte Menschen getötet wurden. An dem Gottesdienst wirkte auch die Baptistengemeinde mit. Über 300 Besucher nahmen daran teil, darunter vor allem Schüler. Ergänzend war eine Woche lang im Rathaus die Ausstellung „Der graue Bus“ zu sehen. Mit diesen Bussen wurden während der Nazi-Diktatur die Behinderten in die Tötungsanstalten gebracht. 500 Interessenten – vor allem Schulklassen – haben die Ausstellung besucht. „Es ist uns ein Anliegen, die Erinnerung an das erschütternde Unrecht in der Vergangenheit wachzuhalten, damit so etwas nie, nie wieder geschieht“, teilte das Ehepaar Rosemarie und Manfred Saak aus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde der GEMEINDE mit.

 

Seit 2010 steht das Schicksal jüdischer Menschen in der 11.500 Einwohner zählenden Kleinstadt Schöningen im Blickpunkt. Bei Nachforschungen lernte das Ehepaar zwei Frauen kennen, die sich auch mit diesem Thema beschäftigten. Sie gründeten eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Ziel, öffentlich an die Namen der deportierten Juden zu erinnern – in Form von „Stolpersteinen“. Das sind Gedenksteine mit den Namen der Opfer, die in den Gehweg von ihren ehemaligen Wohnungen eingelassen werden. Das Vorhaben gelang, obwohl es im Stadtarchiv keine Unterlagen gab. Die Nazis hatten kurz vor Kriegsende alle Akten vernichtet hatten. Doch durch Recherchen konnten inzwischen 32 Stolpersteine verlegt werden. Seitdem findet regelmäßig in Schöningen auch ein Gedenkgottesdienst am Holocaustgedenktag statt. Die Gemeinde Schöningen hat knapp 100 Mitglieder.

 

Klaus Rösler
(07.02.2018)