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USA: 26 Gottesdienstbesucher erschossen

Ein Ex-Soldat schoss in einem Baptisten-Gottesdienst in Texas um sich

Sutherland Springs

Ein Amoklauf in einer Baptistenkirche in Texas hat die Baptisten weltweit in die Medien gebracht. Was ist geschehen? Ein schwer bewaffneter Mann ist während des Gottesdienstes in die Erste Baptistengemeinde in Sutherland Springs (bei San Antonio) in das Gemeindehaus eingedrungen und hat 26 der rund 50 Besucher erschossen. Rund 20 Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, sagte der Gouverneur des US-Bundesstaates, Greg Abbott (Austin). Sutherland Springs ist ein Dorf mit offiziell 362 Einwohner. Den Angaben zufolge sind die Opfer zwischen fünf und 72 Jahre alt. Unter den Toten ist auch die 14-jährige Tochter Annabelle des Gemeindepastors Frank Pomeroy und seiner Ehefrau Sherri. Beide waren nicht im Gottesdienst. Für Pomeroy hatte der ehrenamtliche Gemeindemitarbeiter Bryan Holcombe die Predigt übernommen, der auf der Kanzel erschossen wurde wie auch seine Ehefrau Karla.

 

Rund 20 Minuten nach Gottesdienstbeginn dran der später als Devin Patrick Kelley (26) identifizierte Täter in die Kirche ein. Er schoss wahllos auf die rund 50 Gottesdienstbesucher. Als er die Kirche wieder verließ, geriet er selbst unter Beschuss. Ein Nachbar hatte die Gewehrsalven gehört auf ihn das Feuer eröffnet. Der Täter flüchtete mit dem Auto. Nach kurzer Zeit verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug und fuhr er in einen Straßengraben. Polizisten konnten nur noch seinen Tod feststellen. Medienberichten zufolge war er angeschossen worden und hatte sich selbst getötet.

 

Kelley aus dem rund 50 Kilometer nördlich gelegenen New Braunfels. Wie die Behörden mitteilten, soll sich Kelley die Baptistengemeinde in Sutherland Springs gezielt ausgesucht haben, weil dort seine Ex-Frau und auch seine ehemalige Schwiegermutter die Gottesdienste besuchen. Über seine Schwiegermutter habe er sich sehr geärgert und sie bedroht. Doch am Tag der Tat war sie nicht in der Kirche. Kelley war vor drei Jahren unehrenhaft aus der Armee entlassen worden. Zuvor hatte er eine einjährige Haftstrafe verbüßt, weil er seine damalige Partnerin und das gemeinsame Kind angegriffen hatte.

 

US-Präsident Donald Trump sprach von einem „entsetzlichen Verbrechen“ und einer „Tat des Bösen“. Der Vorsitzende der römisch-katholischen Bischofskonferenz, Daniel Kardinal DiNardo (Galveston/Texas), forderte, die USA müssten zur Einsicht kommen, dass es „ein fundamentales Problem gibt in unserer Gesellschaft“. Eine „Kultur des Lebens“ müsse „sinnlose Schusswaffengewalt in allen Formen verhindern“.

 

Der Präsident der Südlichen Baptisten in den USA, Steve Gaines (Cordova/Tennessee), rief zum Gebet für die Opfer auf: „Möge Gott Hoffnung und Heilung in die Gemeinde und die Stadt bringen.“ Ähnlich äußerte sich auch der Präsident und Leiter des Exekutivkomitees der Südlichen Baptisten, Frank S. Page (Taylors/Bundesstaat Süd Carolina): „Es ist traurig: Ein Morgen des Loben Gottes und des Bibelstudiums hat sich in eine gewalttätige Horrorszene verwandelt und viele unschuldige Leben gekostet. Gott helfe uns, mit dem Bösen umzugehen.“

 

Der Generalsekretär des deutschen Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Christoph Stiba (Wustermark bei Berlin), zeigte sich gegenüber der GEMEINDE „zutiefst erschüttert“. Die baptistischen Brüder und Schwestern seien „an einem Ort der Andacht aus dem Leben gerissen worden, an dem sie sich geborgen und sicher fühlten.“ Über Sutherland Springs sei „von einem Moment auf den nächsten unermessliches Leid hereingebrochen“. Fast alle hätten Angehörige oder Freunde verloren. Stiba: „Wir denken an die körperlich verletzten und seelisch traumatisierten Menschen. Wir beten um Gottes Trost für sie.“

 

Der Weltkirchenrat hat den blutigen Angriff ebenfalls verurteilt. Die Hintergründe für den Mord müssten vollständig aufgeklärt werden, erklärte der Generalsekretär des Weltkirchenrates, Olav Fykse Tveit, in Genf. Tveit betonte, dass immer öfter extremistische Rhetorik in extremistische Aktionen umschlage. Zudem seien Waffen in den USA leicht erhältlich. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einer „furchtbaren Gewalttat“. Den Angehörigen der Opfer sprach er sein tiefes Mitgefühl aus.

Klaus Rösler
(08.11.2017)