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In Frieden sterben - was die Diakonie dazu beitragen kann

Jahrestagung des Europäischen Verbandes freikirchlicher Diakoniewerke

Zürich

Wie sollten totkranke Menschen in der Diakonie begleitet werden, so dass sie in Frieden sterben können? Mit dieser Frage befassten sich die über 50 Teilnehmer der Jahrestagung des
Europäischen Verbandes freikirchlicher Diakoniewerke (EVfD) in Zürich. Dabei kam auch eine Befürworterin der Beihilfe zum Freitod zu Wort, die in der Schweiz unter bestimmten Bedingungen (keine selbstsüchtigen Motive) straffrei ist.

Das Vorstandsmitglied der Organisation Exit Deutsche Schweiz, die Ärztin Dr. Marion Schafroth (Liestal), sieht in der Begleitung in den Freitod einen „letzten Dienst am Menschen". Zuvor müssten
allerdings viele Kriterien geprüft werden, darunter etwa die Urteilsfähigkeit des Betroffenen, das Vorliegen einer tödlichen Erkrankung und eine Erklärung des Hausarztes. Schafroth machte
deutlich, dass aktive Sterbehilfe in der Schweiz wie in Deutschland verboten sei. Sterbebegleitung sei ein Teil des Lebens. Auch im Sterben müsse dem Menschen das Recht auf Selbstbestimmung ermöglicht werden.

Andere Möglichkeiten der Begleitung Sterbender zeigte eine Beschäftigte in der Diakonie auf. Die leitende Ärztin im Kompetenzzentrum Pallivita des Diakoniewerks Bethanien Zürich, Dr. Katja Fischer, erklärte, dass die Linderung oder Vermeidung von Schmerzen durch Medikamente (Palliative Care) die Qualität am Ende des Lebens deutlich verbessere. Blieben Schmerzen dagegen unbehandelt, fördere dies den Wunsch zu sterben.

Die Soziologin und leitende Ärztin Klinische Ethik am Universitätsspital Zürich, Dr. Tanja Krones, unterstrich die Bedeutung des Patientenwillens, der bei allen Entscheidungen ausschlaggebend sein müsse. Wie der freikirchliche Diakonieverband mitteilte, seien sich die drei Referentinnen einig gewesen, dass es Aufgabe sei, bei sterbenskranken Menschen „das Beste herauszufinden in einer nicht guten Situation".

Bei der Konferenz unter dem Motto „Zur Begründung helfenden Handelns" forderte der Zürcher Pfarrer, Buchautor und Diakoniewissenschaftler Christoph Sigrist die Diakonie dazu auf, „ihr Handeln neu zu definieren". Ein Verweis auf die christliche Nächstenliebe reiche nicht aus, da auch andere Religionen oder Atheisten selbstlos helfen würden. Aufgabe der Diakonie müsse es sein, sich zu fragen „Wo ist die Not?" und dann beispielhaft dagegen angehen.

Auf dem Treffen wurde der Baptistenpastor Dr. Stefan Stiegler, Vorstand des Albertinen-Diakoniewerks in Hamburg, zum neuen Präsidenten gewählt. Er löst den Direktor des Diakoniewerks Bethanien (Zürich) der Evangelisch-methodistischen Kirche, Fredy Jorns, ab, der nicht mehr für eine vierte Amtszeit kandidierte, aber dem Vorstand für vier weitere Jahre angehört. Neu in den Vorstand wählten die Delegierten Stefan Warnke, Vorstand der Elim Diakonie Hamburg des Bundes Freier evangelischer Gemeinden. Dem Europäischen Verband freikirchlicher Diakoniewerke gehören 25 Mitglieder aus sieben europäischen Ländern (Deutschland, Georgien, Norwegen, Österreich,
Schweiz, Slowakei und Tschechien) aus drei Freikirchen an: dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, der Evangelisch-methodistischen Kirche und dem Bund Freier evangelischer Gemeinden.

Klaus Rösler
(05.10.2017)