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Hamburg-Bergedorf: Die Gemeinde mit den Containern

Jubiläum: Seit 25 Jahren gibt es eine Obdachlosenbetreuung im Winter

Hamburg

Seit 25 Jahren stehen auf dem Parkplatz der Baptistengemeinde Hamburg-Bergedorf von Ende Oktober bis Anfang April Wohncontainer, die die Stadt Hamburg im Rahmen ihres Winternotprogramms für obdachlose Menschen zur Verfügung stellt. Jeder der fünf Container ist für zwei Personen komplett ausgestattet. Daneben gibt es je einen Sanitär- und einen Aufenthaltscontainer, in dem abends für bis zu zwei Stunden ein Mitarbeiter der Gemeinde als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Die Bewohner erhalten zu ihrem Wohncontainer einen Schlüssel und können sich auch tagsüber dort aufhalten. Darum sind diese Plätze sehr begehrt, heißt es in einem Bericht für DIE GEMEINDE. Manch einer bleibt den ganzen Winter über. Die Kosten für Wasser und Strom übernimmt die Stadt, die ehrenamtliche Betreuung ein Mitarbeiterteam der Gemeinde. Oft gibt es am Sonntag ein gemeinsames Mittagessen mit den Betreuern und anderen Gemeindemitgliedern.

In einem Festgottesdienst zum 25-jährigen Jubiläum begrüßte Pastor Hermann Kettenbach Anfang November den Bergedorfer Bezirksamtsleiter Arne Dornquast sowie Pastor Andreas Baldenius von der evangelischen Kirche St. Petri und Pauli. Baldenius befasste sich in der Predigt mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter und bescheinigte der Gemeinde, dass sie den Auftrag Jesu erfüllt, indem sie sich um die Obdachlosen kümmert. Es fühle sich sicher gut an, auf der Seite der Gerechten zu stehen. So könne man auch den Frust ertragen, dass die Bewohner höchstens ausnahmsweise an Gemeindeveranstaltungen teilnehmen. Allerdings stellte Baldenius auch kritische Fragen. Wieso konnte jemand unter die Räuber fallen? Konnte der Staat seine Bürger nicht schützen? Wieso gab es keinen Rettungsdienst? Baldenius ging auch auf die politischen Versäumnisse heute ein, die zur Obdachlosigkeit führen, z.B. mangelnder Wohnungsbau, neoliberale Wirtschaftsstrategien oder die Fluchtursachen. Dornquast verwies darauf, dass in Hamburg 30 Prozent aller Wohnungen Sozialwohnungen sein müssten, um die Wohnungsnot einzudämmen. Im Gottesdienst wurden die Mitarbeiter der Gemeinde für das Obdachlosenprojekt gesegnet.

Nach dem Gottesdienst gab es die Möglichkeit, einen Blick in einen Container zu werfen. Die Gemeinde ist im Raum Bergedorf seit langem bekannt als „die mit den Containern“. Die Gemeinde hat knapp 60 Mitglieder.

Klaus Rösler
(16.11.2018)