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„Was für ein wunderbarer Klang“

Es gibt Begegnungen, die ein Leben verändern.

Wetter

Es gibt Begegnungen, die ein Leben verändern. Bei Arno Schleyer (heute 87) war das ein Besuch bei einem Bekannten in Oldenburg vor sieben Jahren. Auf dem Weg dorthin traf der Rentner aus Wetter in der Stadt auf eine Gruppe von Drehorgelspielern, die alle zur gleichen Zeit dasselbe Stück intonierten. „Was für ein wunderbarer Klang“, dachte sich Schleyer. Das Sounderlebnis weckte in ihn den Wunsch: „So ein Ding kaufst du dir auch.“

 

Zum Hintergrund: Der Internist und Psychotherapeut Arno Schleyer war viele Jahre Chefarzt der Psychosomatischen Abteilung der Fachklinik Hohe Mark in Oberursel/Taunus. Im Ruhestand lebte er zusammen mit seiner Ehefrau Margarete dann fünf Jahre als privater Entwicklungshelfer in Brasilien. Bei einem Besuch in dem Land war das Paar von der unbeschreiblich großen Armut so stark angerührt, dass es etwas ändern wollte. Nicht durch Spenden, sondern durch den persönlichen Einsatz. Im südlichsten Bundesstaat Rio Grande do Sul kümmerten sich die beiden in der Stadt Ijui, 400 Kilometer nordwestlich von Porto Allegre, um zwölf Waisenkinder, die tagsüber im einem großen Kinderheim betreut wurden. Sie bilden mit ihnen eine Familie auf Zeit. „Als Psychotherapeut weiß ich, dass für solche Kinder gute Beziehungen das Wichtigste überhaupt sind“, sagt er über diese Phase. Wieder zurück zog das Ehepaar nach Wetter, wo sich die beiden Baptisten der großen Gemeinde Wetter-Grundschöttel anschlossen.

 

Außer der Drehorgel, die er sich für 6.000 Euro gekauft hat – inklusive 20 Bändern mit jeweils zwei bis drei Liedern darauf– , spielt Arno Schleyer keine anderen Instrumente. Das ficht ihn aber nicht an. „Die Drehorgel kann alles“, sagt er. Man legt einfach ein Band ein, erzeugt über eine Kurbel Druckluft und die auf dem Band festgehaltenen Lieder erklingen über die in dem Instrument vorhandenen Pfeifen. Er hat weltliche und christliche Lieder im Repertoire, von „Lilli Marleen“ bis „Großer Gott, wir loben dich“. Toll findet er sie alle. Am häufigsten spielt er aber das bekannte Bonhoeffer-Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das von dem Musiker Siegfried Fietz vertont wurde. Denn wenn seine sechs Kinder, 24 Enkel, fünf Urenkel sowie Freunde aus der Gemeinde Geburtstag haben, ruft er sie an und lässt über den Hörer das Lied erklingen. „Das ist inzwischen bei uns Tradition“, sagt er. Auch wenn er nicht dazu singt, die Zuhörer stimmten oft in das Lied ein, hat er beobachtet: „Der Text ist ja vielen bekannt.“

 

Vor allem in der Vorweihnachtszeit ist er mit dem Instrument auf dem Weihnachtsmarkt in Wetter anzutreffen, um für wohltätige Zwecke Geld zu sammeln. Er weiß nicht, was da eigentlich mit den Zuhörern passiert. Aber er merkt, dass – unabhängig von dem Lied, egal ob Schlager, Volkslied oder Kirchenlied – die Menschen oft ergriffen und fasziniert sind von dem Klang, stehen bleiben – und gerne etwas spenden. Dass er in seinem hohen Alter so noch dazu beitragen kann, Gutes zu tun, ist ihm eine Freude.

 

Klaus Rösler
(19.07.2017)