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Hoffnung auf Integration

Erzählcafé „Schule in Syrien“ in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Gera

Gera

Hoffnung auf gelingende Integration von Flüchtlingsfamilien durch ausreichende Bildungsmöglichkeiten und gelebte Freundschaften. Dieser Wunsch wurde am 10. Oktober beim Erzählcafé „Schule in Syrien“ im Café Global 26 der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Gera geäußert. Die syrische Arabischlehrerin und Muslima Reta Ismail aus Damaskus erklärte die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem syrischen Bildungssystem, berichtet Gemeindereferent Stefan Taubmann. Überraschend für die rund 40 Teilnehmer, davon sieben Gemeindemitglieder, war, dass die Schulen in dem vorwiegend muslimisch geprägten Syrien ab einem christlichen Kind in der Klasse entsprechenden Religionsunterricht anbieten müssten. Trotz Ähnlichkeiten sei die Ausstattung aber in deutschen Schulen wesentlich besser. Neben der Familie von Reta Ismail nahmen drei weitere Syrer teil.

„Im zweiten Teil ging es um die unerträgliche Situation der Schulkinder seit dem Bürgerkrieg, besonders in den stärker umkämpften Gebieten. Die Betroffenheit war deutlich zu spüren, als Frau Ismail von dem Privileg sprach, in Sicherheit eine Schule besuchen zu können“, berichtet Stefan Taubmann weiter. Schließlich ging es um die besondere Herausforderung für Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Für Grundschulkinder sei es vergleichsweise gut möglich, sich in der neuen Situation in Deutschland zurechtzufinden, erklärte Reta Ismail am Beispiel ihrer zehnjährigen Tochter. Sie konnte sich durch die Unterstützung von Freunden in nur einigen Monaten den Weg ans Gymnasium erarbeiten. Viel schwerer hätten es jedoch die Jugendlichen, beklagte die Referentin. Ernüchterung sei eingetreten, da bei vielen Familien die Hoffnung auf höhere Schulbildung schwinde. Es gäbe zu wenig Lehrer, mangelnde Plätze in Regelschulen und hohe Anforderungen an die Sprachkompetenz, um ans Gymnasium zu kommen.

Als einen Lichtblick nannte der Gemeindereferent die besondere Freundschaft zwischen ihm und den 16-jährigen Zwillingen von Reta Ismail. Er bildete mit ihnen eine Lerngruppe und mit vereinten Kräften hätten die Zwillinge im vergangenen Jahr den Sprung in die achte Klasse auf das Gymnasium geschafft. Seitdem lernten sie mit höchster Motivation, auch wenn jeder Tag vergleichbar sei mit dem Aufstieg in der Eiger-Nordwand, so Stefan Taubmann. Fazit der Gemeinde: „Die interessierten Nachfragen machten deutlich, wie sehr sich die Geraer Gedanken zum Thema Bildung machen.“ Das Erzählcafé war Teil der interkulturellen Woche in Gera. Die Gemeinde hat 107 Mitglieder.

Nicola Bourdon
(13.10.2017)