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Mit den Menschen unterwegs sein

Glaubensfestival „Glaube mal Gevelsberg“: Kirche in Konkurrenz mit anderen Sinnangeboten

Gevelsberg

„Menschen mit klarer biblischer Grundlage Inspiration und Begegnungsfläche geben.“ Das ist das Ziel des Glaubensfestivals G² (gesprochen: „G Quadrat“) in Gevelsberg. Die Abkürzung steht für „Glaube mal Gevelsberg“. Das diesjährige Treffen stand unter dem Motto „Gemeinde der Zukunft – Zukunft der Gemeinde“. Die Veranstaltungsreihe ist als Reaktion auf die Satelliten-Evangelisation proChrist entstanden, als lokale Christen beschlossen: „Das schaffen wir auch.“ Den Trägerkreis bilden die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, die Freie evangelische Gemeinde sowie die Evangelische Kirchengemeinde.

 

Hauptredner war Johannes Reimer, Professor für Missionswissenschaften an der Theologischen Hochschule Ewersbach des Bundes Freier evangelischer Gemeinden. Er unterstrich die Bedeutung der Mission: Eine Kirche ohne Mission sei keine Kirche. Christen hätten von Jesus den Auftrag erhalten, „in alle Welt“ oder in alle „sozio-kulturellen Räume“ zu gehen, um das Evangelium zu verkündigen. Reimers Grundfrage war es: „Macht man Kirche für die Menschen oder mit ihnen?“ Er erzählte, wie er mit Muslimen und Katholiken eine Tafel gründete, um miteinander ins Gespräch zu kommen: „Die Kirche der Zukunft ist so gedacht.“ Reimer: „Unser Platz ist in der Welt, um mit den Menschen unterwegs zu sein.“

 

In einer Podiumsdiskussion wurden die Anregungen von Reimer aufgegriffen. Der Baptistenpastor Adrian Wild berichtete, dass er die Nachbarn vor etwa zwei Jahren zum Herbstspielplatz seiner Gemeinde eingeladen habe. Dabei habe er festgestellt, dass den Besuchern nicht aufgefallen war, dass hier eine Kapelle ist. Der FeG-Pastor Christian Lunkenheimer erzählte von einem Erlebnis, als er in einer Pizzeria war und aus einem Gespräch am Nachbartisch mitbekam, dass die denken, in der FeG müssten Frauen und Männer im Gottesdienst getrennt sitzen. Die Hürden scheinen zu groß zu sein, um als Nachbar einfach einmal einen Gottesdienst zu besuchen. Ferner wurde deutlich, dass die Kirchen stärker in den Lebensräumen der Menschen aktiv werden müssten. Dazu gehöre es, auch im Internet aktiv zu sein. Die Kirche konkurriere sowohl mit Netflix und dem Frühstücksei wie auch mit Sinn-Angeboten. Die Frage „Wie wollen wir leben?“ werde heute von vielen Stellen beantwortet.

 

Der landeskirchliche Pastor Daniel Jung meinte, dass man Gott letztlich nicht brauche, um sich glücklich zu fühlen. Da könnten die Kirchen an noch so vielen Stellschrauben drehen und aktuelle Themen wie Klimawandel und Soziale Gerechtigkeit aufgreifen oder die Gottesdienste ansprechend, lustig, bewegend gestalten. Zum Thema „Glück“ hätten die Kirchen jedoch viel zu sagen. Worauf Reimer einwendete, dass der Glaube nicht dazu da ist, glücklich zu werden, sondern er beinhalte den Auftrag, gutes Leben zu ermöglichen. Dazu gehöre die Transformation der Gesellschaft: „Gott kommt es auf die Welt an.“

 

Ferner gab es eine Live-Präsentation von „Hossa Talk“, in der der Gemeindepädagoge und Comedian Jakob Jay Friedrichs (Eschborn) und der Autor und Musiker Gofi Müller (Marburg) Fragen des Publikums beantworteten, sowie einen Lobpreisabend mit einer eigens für das Treffen gegründeten Band. Zum Abschluss des Festivals feierten alle drei Gemeinden einen gemeinsamen Gottesdienst, zu dem etwa 250 Besucher kamen. In seiner Predigt malte Adrian Wild das Reich Gottes vor Augen, wie es mit Jesus zu den Menschen gekommen ist. Es gelte Augen und Hände zu öffnen, um den Menschen nahezukommen. Man dürfe in ihnen nicht „die anderen“ sehen. Denn ob mit oder ohne Gemeinde, so anders sei doch niemand. Das Reich Gottes gewinne seine Gestalt, wenn man Probleme löse und mit den Menschen feiere. Am Ende stand eine Abendmahlsfeier in Kleingruppen. Die Gemeinde Gevelsberg hat knapp 60 Mitglieder.

 

Klaus Rösler
(28.06.2019)